Viel Lob und Ehre zum Jubiläum
Geschrieben von: Marco Galuska
Schiedsrichtervereinigung Nürnberg feierte ihr 90jähriges Bestehen
"Hans Rößlein hat gerufen und alle sind gekommen!", eröffnete Bezirksspielleiter Ludwig Beer seine Festrede anlässlich des 90. Geburtstags der Schiedsrichtervereinigung Nürnberg. Und in der Tat, das frisch renovierte Gesellschaftshaus Gartenstadt empfing am Samstagabend jede Menge Gäste aus der lokalen, regionalen und landesweiten Welt des Fußballs, die den Männern an der Pfeife ihre Aufwartung machten und von einem kurzweiligen, bunten Abendprogramm bestens unterhalten wurden.
"Die Schiedsrichter standen im Mittelpunkt" - eine Formulierung, die auf dem Platz meist nichts Gutes verrät und der Überzeugung, dass sich eine gelungene Spielleitung gerade darin auszeichnet, unauffällig aber mit wachem Auge eine Partie zu leiten, entgegensteht - an diesem Jubiläumsabend standen die "Pfeifenmänner" aber definitiv zurecht und ohne fadem Beigeschmack im Fokus. Zwischen Historie, Gegenwart und Zukunft bewegte sich der Abend, der rund ein halbes Jahr an Organisation in Anspruch genommen hatte. Und diese Organisation war für Gruppen- und Kreisschiedsrichterobmann Hans Rößlein kein Neuland. Denn bereits vor 20 Jahren war es Rößlein, der für den langjährigen Obmann Alfred Neufeld, der kurz vor den Feierlichkeiten zum 70jährigen Jubiläum (damals ebenfalls im Gesellschaftshaus Gartenstadt) schwer erkrankte, einsprang. Damals, als "primus inter pares", wie heute, als Chef, gelang dem Logistiker Rößlein die Planung und Umsetzung vorzüglich - darüber waren sich die 302 Gäste, die zum Großteil bis nach Mitternacht feierten, am Ende einig.
Die Nürnberger Talentschmiede von damals bis heute
Doch blicken wir zunächst auf den Anlass der Feierlichkeiten und damit in die Chronik des Schiedsrichterwesens in Nürnberg. Am 23. September 1919 wurde die Schiedsrichtervereinigung Nürnberg gegründet. Einer, der den Namen Nürnbergs in Schiedsrichterkreisen in die Welt getragen hat, war Albert Meißner, der ab 1948 als FIFA-Schiedsrichter fungierte. Im gleichen Jahr machte auch Hans Ebersberger seinen Schiedsrichter-Schein. Es war der Grundstein einer bemerkenswerten Karriere, die im Vorjahr anlässlich seines 60 Jährigen Jubiläums als DFB-Schiedsrichter vom BFV-Präsidenten Dr. Rainer Koch und dem Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses Volker Roth geehrt wurde. Ebersberger war als langjähriger bayerischer und DFB-Schiedsrichterlehrwart tätig und leitete die Redaktion der DFB-Schiedsrichterzeitung, die wohl als sein Lebenswerk zu bezeichnen ist. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Ebersberger am Jubiläum nicht teilnehmen. Anwesend waren aber weitere Unparteiische, die ebenfalls den Nürnberger Schiedsrichtern zu nationalem und internationalem Ruhm verholfen haben. Beispielsweise Peter Vasel (DJK Falke), der 16 Jahre lang Begegnungen der Bayernliga und zwei Jahre in der Zweiten Bundesliga leitete. Daneben war er auch als Assistent im Oberhaus des deutschen Fußballs und im Europapokal aktiv. Ihm folgten in jüngerer Vergangenheit die Nürnberger Spitzenschiris Gerd Lamatsch (TB Johannis 88) und Markus Bayerl (SC Worzeldorf), die jahrelang zur absoluten Verbandsspitze gehörten und inzwischen den Weg für neue Talente freimachten. So vertreten Sven Bode (DJK Eibach), Andreas Heidt (TSV Buch) und Michael Geiler (ATV Frankonia) aktuell die Nürnberger "Pfeifenköpfe" (in Anlehnung an die Nürnberger Gruppenzeitung "Pfeifenkopf") auf der Verbandsliste, was Hans Rößlein freilich stolz macht: "Es ist einiges an Potential vorhanden. Wir haben in unserer Gruppe etliche Rohdiamanten, die man langsam schleifen muss", blickt der engagierte Chef der Schiris auf eine verheißungsvolle Zukunft.
Ein gebührlicher Ehrenabend
Die Gegenwart feierte ihr Jubiläum und wurde von den Gastrednern gehuldigt. Pünktlich um 19 Uhr eröffnete Gastgeber Rößlein in gewohnt eloquenter Weise den Festabend. Nach Begrüßung der vielen Ehrengäste, die trotz des zeitgleich stattfindenden WM-Qualifikationsspiels der DFB-Elf in das Gesellschaftshaus Gartenstadt gekommen waren, überbrachte Bürgermeister Horst Förther die Glückwünsche der Stadt Nürnberg, in Vertretung des Schirmherrns OB Ulrich Maly, und sprach seine Hochachtung den Männern an der Pfeife aus, die mit wachsenden Ansprüchen durch die Weiterentwicklung des Fußballs konfrontiert seien. Anschließend trat der "oberste Chef" der bayerischen Schiedsrichter Rudi Stark (Vater von FIFA-Referee Wolfgang Stark) ans Rednerpult. In seiner unnachahmlichen Art referierte der Landshuter "Herr der BFV-Schiris" über Fingerspitzengefühl, das im Regelwerk nicht vorzufinden sei, und die schlechter werdende Behandlung, die Schiedsrichter von den aktiven Kickern erfahren. Gleichzeitig lobte er Nürnberg als wesentliche Säule des bayerischen Schiedsrichterwesens und stellte stolz fest, dass der Bezirk Mittelfranken "so gut wie noch nie" dastehe und verwies dabei u.a. auf die an diesem Abend anwesenden Aushängeschilder, Bundesliga-Referee Deniz Aytekin (TSV Altenberg) und Benjamin Cortus (TSV Burgfarrnbach), der inzwischen schon Spiele in der 3. Liga leitet.
Als ersten Showact des Abends beeindruckte die Formationsgruppe des TSC Rot-Gold-Casino mit ihren Tanzkünsten und ließ nicht nur eine Zugabe folgen, sondern legte auch mit den Schiedsrichtern und deren Ehegattinnen, nach Partnerwahl, einen Wiener Walzer aufs Parkett. Da musste sich Club-Präsident Franz Schäfer anschließend schon mächtig ins Zeug legen, um mit der Eleganz in seiner folgenden Laudatio Schritt zu halten. Interessanterweise kritisierte der Club-Boss dabei die Medien, die in ausschweifender Weise jede Entscheidung der Referees mit technischem Werkzeug sezieren.
Mit der DFB-Verdienstnadel wurde KSO Hans Rößlein (l.) von Bezirksspielleiter Ludwig Beer geehrt.
Foto: Wraneschitz
In seiner direkten, sympathischen Art, immer mit einem Schuss Ironie gewürzt, folgte Bezirksspielleiter Ludwig Beer mit seiner Ansprache. "In Nürnberg ist die Schiedsrichter-Welt noch in Ordnung", sprach Beer von einem intakten Gruppenleben und lobte Rößlein ausdrücklich für sein Engagement, der "für die Sache kämpft und wenn er etwas anpackt, es zu 100% macht". Aber nicht nur lobende Worte, sondern auch Auszeichnungen für den Boss der Schiris in Nürnberg-Frankenhöhe hatte der Oberpfälzer parat. So wurde Rößlein mit dem Ehrenwimpel des Bezirks Mittelfranken und der DFB-Verdienstnadel ausgezeichnet, wovon er sichtlich überrascht wurde. "Da haben alle dicht gehalten. Keiner hat was davon gesagt, das hat mich schon ins Mark getroffen", war Rößlein von den Auszeichnungen zum Jubiläum beeindruckt und versprach, mit aller Kraft und Engagement die Aufgabe des obersten Nürnberger Schiedsrichters weiterhin zu erfüllen. Und seinen Traum verriet Rößlein in diesem Zusammenhang auch: "Es wäre mein Wunsch, einen Nürnberger Spitzenschiedsrichter für die Bundesliga herauszubringen", aber dazu bedarf es akribischer Arbeit, etwas Glück und auch Gesundheit, weiß der Obmann, der vor 20 Jahren den Staffelstab von Alfred Neufeld übernahm, dass viele Komponenten zum Erfolg dazugehören.
Bevor die sportliche Darbietung der Rhönrad-Gruppe des SV 73 Süd das Programm des Jubiläumsabend abschloss, standen noch eine Reihe weiterer Ehrungen für langjährige Referees an. Vorne weg wurden sechs langjährige Schiedsrichter zu neuen Ehrenmitgliedern ernannt: Alfred Bauernschmidt, Fritz Mösel (beide DJK BFC), Herbert Bauer (DJK Oberasbach), Martin Sebald (Tuspo Nürnberg), Hermann Hempel (TSV Johannis 83) und Johann Maurer (ESV Flügelrad) sind damit im elitären Kreis mit Oswald Dallhammer, Hans Ebersberger, Peter Vasel, Kurt Engelhardt, Heinz Ferber (die Freunde des Hallenfußballs kennen den Vorsitzenden des Bayernliga-Sportgerichts als beliebten Hallensprecher), Heinz Imhof, Alfred Schott, Heinrich Schreiber und Kurt-Leonhard Vogl.
Die neuen Ehrenmitglieder der SR-Vereinigung Nürnberg mit ihrem Obmann, von links: Fritz Mösel (DJK BFC), Alfred Bauernschmidt (DJK BFC), Hans Rößlein, Hermann Hempel (TSV Johannis 83), Johann Maurer (ESV Flügelrad), Martin Sebald (Tuspo Nürnberg), Herbert Bauer (DJK Oberasbach).
Foto: Wraneschitz
Dass bei den Schiedsrichtern nicht nur die Pfeife allein den Ton macht, wurde an dem Ehrenabend einmal mehr deutlich. So ist die Nürnberger Schiedsrichtervereinigung mit zahlreichen Aktivitäten wie Schlachtschüsselessen, Grillfest, Weinfest, Jahresausflug und Jahresabschlussfeier stets darauf bedacht, ein "Wir-Gefühl" zu vermitteln. Das Alt und Jung gleichermaßen eine Rolle bei den Nürnberger Schiris spielen, zeigt die wohl einzigartige Senioren-Schiedsrichtergruppe (Durchschnittsalter 72,5 Jahre!), die unter Leitung von Karl-Heinz Schorr (Tuspo Nürnberg) regelmäßige Treffen abhält und Aktivitäten vorantreibt. Für den Schiedsrichter-Nachwuchs wurde ein Neulingslehrgang im September mit 41 Teilnehmern durchgeführt, somit umfasst die Schiedsrichtervereinigung Nürnberg mittlerweile über 400 Mitglieder! Vor der Zukunft braucht den Nürnberger Schiedsrichtern also nicht Bange sein - auf ins nächste Jahrzehnt!
fussballn.de sagt Herzlichen Glückwunsch den Schiedsrichtern Nürnbergs zum 90. Geburtstag ihrer Vereinigung!
PS. Wer mehr über das Schiedsrichterwesen in Nürnberg erfahren möchte, sollte die Gruppenseite: http://schiri.bfv.de/nuernberg besuchen!


