Wenn es den Falschen trifft
Geschrieben von: Marco Galuska
Frage an die Schiri-Experten
Welchen Spielraum hat ein Schiedsrichter, wenn ihm offensichtlich ein Fehler unterläuft? Ein aufmerksamer fussballn.de-Leser schilderte einen konkreten Fall vom vergangenem Wochenende. Unsere SR-Experten geben Antwort!
Frage von V.S.:
Hallo fussballn.de-Schiedsrichter-Experten,
beim BOL-Spiel FSV Stadeln gegen Baiersdorfer SV hat der Schiedsrichter dem Spieler eine Gelbe Karte gegeben aufgrund eines Foulspiels. Als die Zuschauer dann laut wurden (da dieser Spieler nicht das Foul begangen hatte) und der Schiedsrichter sich mit dem Assistenten besprochen hatte, nahm er die Gelbe Karte zurück.
Wie lange hat der Schiri hierfür Zeit?!
Wäre die Sachlage evtl. anders, wenn ein Spieler direkt die Rote Karte sieht? Kann er diese auch Rückgängig machen?
Und falls ja, muss der Spieler dafür noch auf dem Platz sein (falls der Spieler schon vom Rasen runter ist) bzw. kann der Schiri ihn dann wieder zurückholen, falls er sich doch noch um entscheidet?!
Und die letzte Frage: Kann der Schiri auch eine Rote Karte zurücknehmen und in eine Gelbe Karte umwandeln, weil aufgrund Rücksprache mit seinem Assistenten etwas anderes rauskommt?
Vielen Dank im Voraus!
Hallo lieber Sportkollege,
vielen Dank für Deine Fragen.
Grundsätzlich kann der SR jede Entscheidung (also alle persönliche Strafen egal ob Gelb, Gelb-Rot oder Rot oder auch Spielstrafen, erzielte Tore etc.) solange zurücknehmen und ändern, solange das Spiel nicht fortgesetzt wurde. Er kann also auch Strafen abändern wie z.B. Gelb in Rot oder Rot in Gelb!
Erst ab der Ausführung der nächsten Spielfortsetzung (also Freistoß, Einwurf etc...) ist die Entscheidung nicht mehr abzuändern, selbst wenn dann der SR einen Fehler nachträglich feststellen würde. Dann kann nur noch eine Meldung im Spielbericht erfolgen.
Die Zurücknahme bzw. das Ändern einer Entscheidung kann auch verschiedene Gründe haben:
a) der betroffene Spieler wird gefragt und gibt zu seinen Ungunsten einen Sachverhalt zu - z.B. er gibt zu, den Ball mit der Hand ins Tor geschlagen zu haben - dann wird der SR das Tor nicht anerkennen und einen direkten Freistoß gegen den Stürmer aussprechen!
b) der SR bekommt einen Hinweis bzw. Hilfestellung seines Assistenten an der Linie, der die Situation besser gesehen hat!
c) der SR stellt selber fest, dass er sich geirrt hat. Z.B. er hat einem Spieler die gelb/rote Karte zu schnell gezeigt und stellt jetzt fest, dass der betroffene noch gar nicht verwarnt war!
Grundsatz ist: Der SR entscheidet letztlich aufgrund aller Umstände und Tatsachen alleine nach bestem Wissen und Gewissen und trägt die Gesamtverantwortung. Es sollte auch immer eine Ausnahme sein, wo der SR seinen Fehler klar erkennt.
PS: Im genannten Beispiel hat wohl der Assistent dem SR glaubhaft machen können, dass er den Spieler zu Unrecht verwarnt hatte.
Mit sportlichen Grüßen
Gerd Lamatsch


