Die Kumpels hatten Vorrang
Geschrieben von: Peter Breier Mittwoch, den 09. Dezember 2009 um 09:34 Uhr
Roths Torjäger-vom-Dienst Martin von Vopelius im Porträit
Nach 12 Jahren trennten sich im Sommer die Wege von Martin von Vopelius und seinem SV Laufamholz. 20 Spiele absolvierte der heute 19-Jährige während seiner letzten beiden A-Jugend-Jahre in der 1. Mannschaft des SV Laufamholz in der Kreisklasse, ehe er dem Ruf der TSG Roth aus der Bezirksoberliga folgte. fussballn.de sprach mit dem Stürmertalent über seinen sportlichen Werdegang und die Ziele mit seinem aktuellen Verein.
Es war der Sommer 1997. Jan Ullrich hatte die Tour de France gewonnen und Fussballdeutschland war ein Jahr nach dem Gewinn des Europameisterschaftstitels immer noch in Feierlaune. Mitten in dieser Zeit begann die noch kleine Fussballerkarriere des Martin von Vopelius in der F-Jugend des SV Laufamholz. Im Sommer 2008, 11 Jahre später, traf Martin seine ersten beiden Trainer Andreas Schmidt (Spielleiter) und Ricky Schwittay (Kapitän der 2.Mannschaft) im Herrenbereich wieder. Was war in der Zwischenzeit passiert?
Martin von Vopelius (obere Reihe, dritter von links) übernahm als Kapitän seiner Mannschaften schon in frühester Jugend eine Führungsrolle.
Foto: Privat
Vom zweiten Jahr in der F-Jugend an, über jeweils beide Spielzeiten der E- und D-Jugend hinweg begleitete Christian Popp (heute A-Jugendtrainer bei der DJK Eibach) Martin – von Kollegen der Einfachheit halber “Vobbi” gerufen - als Trainer und war maßgeblich an dessen aussichtsreicher Entwicklung beteiligt. Im zweiten D-Jugendjahr erlebte Vobbi, wie er sagt, möglicherweise das größte Highlight seiner bisherigen Laufbahn. Die bereits seit mehreren Jahren in ähnlicher Formation zusammenspielende Mannschaft schaffte 2003 den Aufstieg in die Kreisklasse durch ein 3:2 im dritten Relegationsspiel gegen den FSV Stadeln. Das entscheidende Tor in einer spannenden Partie erzielte von Vopelius per Freistoß erst kurz vor Schluss.
Sieg in der Relegation in Stadeln 2003. Martin von Vopelius machte durch ein Freistoßtor den Aufstieg klar.
Foto: Privat
Von da an durfte Vobbi in den kommenden Jahren jeweils ab der Rückrunde häufig schon in den höheren Mannschaften erfolgreich aushelfen. In seinem letzten A-Jugendjahr wurde er nebenbei schon komplett in der Vollmanschaft mit eingesetzt. Warum der talentierte Torjäger, wahlweise auch Spielgestalter oder Libero, sein Glück in der Jugend nie bei einem höherklassigen Verein gesucht hat, hängt damit zusammen, wie er sagt, dass ihm der Sport in Verbindung mit dem Zusammensein mit seinen Freunden mehr bedeutet hat: “Man denkt schon mal drüber nach, wie es vielleicht noch hätte laufen können, aber ich bereue die Zeit, die ich dadurch mit meinen Kumpels verbringen konnte, nicht.” Sogar die Versuche eines Nachbarn, dem Bruder des damaligen Club-Trainers Wolfgang Wolf, ihn zu einem Probetraining beim 1. FC Nürnberg zu überzeugen, lockten von Vopelius damals nicht.
Der zweite Höhepunkt seiner Jugendzeit war sein zweiter Aufstieg. Mit der B-Jugend 2007 gelang ihm, gleichwohl es im Vergleich zu 2003 ein etwas leichteres Spieljahr war, ebenfalls der Aufstieg in die Kreisklasse. Die Mannschaft drehte am allerersten Spieltag einen 1:3-Halbzeitrückstand gegen den TB Johannis 88, berichtet Martin grinsend, gewann am Ende mit 7:3 und wurde ohne einen einzigen Punktverlust Meister. Selbstredend war Vobbi mit über 40 Toren maßgeblich am Erfolg beteiligt.
Martin von Vopelius im Spiel gegen den ASV Vach. Der Stürmer ist mit acht Saisontoren längst in der Bezirksoberliga angekommen.
Foto: fussballn.de
Im Sommer 2009 wagte Martin von Vopelius schließlich doch den Schritt. Er heuerte bei der TSG Roth in der Bezirksoberliga an, die nach den Abgängen ihrer beiden absoluten Torjäger Stephan Handel (Spielertrainer bei einem unterklassigen Verein) und Felix Probst (SpVgg Ansbach, Bayernliga) eifrig nach einem Stürmer Ausschau hielt. Aufgrund des Qualitätsverlustes lautete die Vorgabe für die Wellert-Elf im Sommer zunächst nur Klassenerhalt. Nach einem Traumstart von fünf Siegen am Stück – von Vopelius traf fünfmal – waren jäh alle Bedenken beseitigt. Die TSG Roth übertraf mit 34 Punkten jegliche Erwartungen und will in der Rückrunde die gute Tabellenposition behaupten. Dann will auch Martin von Vopelius sein Torekonto von derzeit acht Treffern, vereinsintern klarer Spitzenwert, noch einmal aufstocken. Dass diese beiden Dinge, individueller und kollektiver Erfolg, bereits nach einer halben Saison untrennbar miteinander verbunden sind, zeigt die Tatsache, dass die TSG immer gewann wenn von Vopelius traf.
Trotz des stetigen Aufwindes kommt Martin so oft es geht zu den Spielen seines SVL, wo auch die alten Kameraden aus der Jugend langsam in der ersten Mannschaft Fuß fassen. Ob er irgendwann selbst noch einmal für seinen alten Verein, dem er immer verbunden bleiben wird, auf Torejagd gehen wird, bleibt offen. Die Chancen würden vermutlich steigen, wenn Deutschland die WM 2010 in Südafrika gewinnt oder wieder ein Deutscher bei der Tour de France ganz oben auf dem Podest steht.



