Ein Dauerbrenner mit Torinstinkt
Geschrieben von: Michael Watzinger Mittwoch, den 04. November 2009 um 15:17 Uhr
Türk Gücü Fürths Spielertrainer Ercan Dedeoglu im Portrait
Für Türk Gücü Fürth und seinen Spielertrainer Ercan Dedeoglu läuft es in dieser Saison alles andere als rund. Mit lediglich fünf Zählern rangieren die Türken auf dem letzten Tabellenplatz der Kreisliga Nürnberg. Nichtsdestotrotz kann Dedeoglu auf seine lange erfolgreiche fußballerische Laufbahn stolz sein. Mit fussballn.de blickt der 40-jährige auf das Vergangene zurück und lässt dabei tief blicken.
Ercan Dedeoglu, am 26. Juli 1969 in Diyarbakir, einer Großstadt im Südosten der Türkei geboren, kam 1974 im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland. Gemeinsam mit seinen drei Schwestern fand der junge Ercan schnell Anschluss in der neuen Heimat und schloss sich bereits ein Jahr später dem ruhmreichen 1. FC Nürnberg an, dem er von den C-Junioren bis hinauf zu den A-Junioren treu blieb. Der tolle Techniker schaffte dann allerdings den Ganz großen Wurf beim Club nicht: „Dafür fehlte mir zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schlicht und ergreifend das körperliche Durchsetzungsvermögen. Bedingt durch den damaligen Stichtag, der beim 30. Juli lag, verlor ich gegenüber anderen Spielern meines Jahrgangs ein ganzes Jahr.“ Dass der junge Türke schnell, technisch äußerst versiert und mit gutem Torriecher ausgestattet, von den Fähigkeiten her durchaus hätte mithalten können, daran hat er auch heute keinen Zweifel.
Und dennoch. Nach den Junioren wechselte Dedeoglu zum ASV Herzogenaurach in die Bezirksliga, die zum damaligen Zeitpunkt den Stellenwert der erst später gegründeten Bezirksoberliga inne hatte. In Herzogenaurach weilte der offensive Mittelfeldspieler zwei Spielzeiten und sorgte schon in jungen Jahren mit guten Leistungen für Aufsehen. Dennoch konnte auch er den Abstieg des ASV in seiner zweiten Saison nicht verhindern.
Die sportliche Liebe von Ercan Dedeoglu: der Türkische FK mit Kapitän Dedeoglu in der Saison 1996/97.
Foto: privat
In der Folge zog es Dedeoglu zum TSV Röttenbach in die neugegründete Bezirksoberliga. Trotz der Spielklasse stand beim TSV unter dem damaligen Trainer, Ex-Bochum und FCN-Profi Hans Walitza das Familiäre im Vordergrund, weshalb der Kreativmann die rund 40 Kilometer Fahrt gerne in Kauf nahm. Sportlich lief es in den drei Jahren hingegen eher durchwachsen, der TSV Röttenbach war stets im Mittelfeld der Tabelle beheimatet – zu wenig für den ehrgeizigen Mittelfeldspieler, der stets nach Höherem strebte und so beschloss, eine weitere Stufe nach oben zu steigen.
Der BSC Erlangen sollte die nächste Station in der Vita des Ercan Dedeoglu werden. In dem einen Jahr sammelte der 24-jährige Türke eine Menge Erfahrungen. Die damalige Landesliga-Truppe um Trainer Dieter Nüssing landete auf Rang zwei und verpasste in der Relegation nur knapp denn Sprung in die Bayernliga. „Wir hatten beim BSC eine wahnsinnig gute Mannschaft. Die Kameradschaft war hervorragend und wir spielten ein Jahr auf absolutem Topniveau“, blickt der heute 40 Jahre alte Dedeoglu gerne auf die damalige Zeit zurück. Dass er beim BSC nur eine Spielzeit verweilte, dafür führt Dedeoglu gleich mehrere Gründe auf: „Nach dem Jahr bekam ich ein Angebot vom Türkischen FK, der zu diesem Zeitpunkt das absolute Aushängeschild der türkischen Mannschaften in Nürnberg und Umgebung war. Viele meiner Freunde und Verwandten bearbeiteten mich, dass ich mir doch einen Wechsel überlegen sollte. Hinzu kam, dass ich beim BSC zwar auf meine Einsätze kam, mich allerdings nicht als kompletten Stammspieler sah. Für meine Laufbahn war der Wechsel zum FK sicher nicht unbedingt förderlich, emotional betrachtet habe ich allerdings nichts falsch gemacht, der Türkische FK bleibt als große Liebe in meinem Herzen. Somit war es schon eine Entscheidung zwischen Herz und Hirn", erinnert sich der torgefährliche Offensivmann.
Seit Jahren sorgt der Name Dedeoglu für positive Schlagzeilen. Mit großer Leidenschaft und Können hat sich der Türke großen Respekt verdient.
Archiv: NZ.
Und so wechselte er zum Türkischen FK in die Kreisliga und blieb dort neun Jahre am Ball. Für den Offensivmann eine wahnsinnig tolle Zeit, fühlte er sich doch im Verein von Anfang an heimisch und geborgen, da das Umfeld und der Verein von der Struktur her sehr viel familiärer war als beispielsweise der BSC Erlangen. Im ersten Jahr gelang den Türken direkt der Aufstieg in die Bezirksliga, was den Zusammenhalt innerhalb der Truppe weiter stärkte. Bereits in seiner zweiten Saison wurde dem Kreativgeist die Kapitänsbinde anvertraut, was für seine schnelle Integration sowie vorhandene Führungsqualitäten spricht. Nach sieben Jahren in der Bezirksliga, merkte Dedeoglu allerdings, dass im Verein nicht mehr alles nur auf den Fußball ausgerichtet wurde, sondern persönliche Interessen bei manchen in den Vordergrund traten. „Es tut mir auch heute noch wahnsinnig weh, wenn ich daran denke, wie der Abstieg des Türkischen FK begann. Damals machten manche Verantwortlichen nicht mehr das, wofür sie eigentlich vorgesehen waren, sondern sonnten sich lieber im Erfolg. Ich empfinde nach wie vor große Dankbarkeit dem FK gegenüber, aber gerade aufgrund meiner tiefen Verbundenheit macht mich das Vergangene sehr traurig“, blickt Dedeoglu mit weinendem Auge zurück.
Beim SC Eltersdorf erlebte Ercan Dedeoglu in der Multi-Kulti-Truppe drei Jahre lang eine tolle Zeit, in der auch der Aufstieg des SCE in die Landesliga gelang.
Foto: privat
So wechselte der Kopf des Türkischen FK für drei Jahre zum SC Eltersdorf in die Bezirksoberliga. Auch in diesem Verein fand der heute 40-jährige eine Atmosphäre, die ein angenehmes, konzentriertes Arbeiten möglich machte. Anders als beim Türkischen FK musste sich Dedeoglu nicht mehr nebenbei um Spielertransfers und ähnliche Dinge kümmern, sondern konnte sich wieder voll und ganz auf den Fußball konzentrieren. Eine Befreiung, für die der torgefährliche Mittelfeldmann dem SCE sehr dankbar war. „Bereits damals dachte ich mir, dass diese klare Struktur, die tolle Organisation, der Grundstein für Erfolg sein muss. Auch das Umfeld macht einen erfolgreichen Verein aus – gute Spieler alleine reichen nicht.“ Der sogenannten Multi-Kulit-Truppe, beim SC Eltersdorf kickten zu diesem Zeitpunkt Griechen, Türken, Italiener, Kroaten und Deutsche äußerst erfolgreich zusammen, gelang unter dem mittlerweile leider verstorbenen Trainerfuchs Apostolos Bertsos der Aufstieg in die Landesliga. Nach zwei weiteren Jahren unter Trainer Günter Drews zog es den aufgrund der immer weiter werdenden Fahrten mittlerweile müde gewordenen Dedeoglu weg vom SCE und für ein Jahr erneut hin zum Türkischen FK. Diesmal übernahm er dort das Amt des Spielertrainers. Bei seiner ersten Trainerstation gelang dem Türken der Spagat bei der Vermittlung zwischen Spaß und konzentriertem Arbeiten ganz hervorragend, der dritte Platz in der Bezirksliga gab dem Trainerneuling in seinem Handeln recht. Doch auch in seiner zweiten Episode gab es Probleme fernab des Fußballfeldes.
Beim TSV Südwest gab es für den Offensivgeist ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Nach einer Spielzeit nahm Ercan Dedeoglu das Amt des Spielertrainers beim Türkischen FK an und verließ den TSV.
Foto: privat
So zog Dedeoglu einmal mehr seine Konsequenzen und verließ den Verein erneut, diesmal zum Bezirksoberligist TSV Südwest, bei dem Trainer Metzger und einige Freunde aus vergangenen Tagen, darunter Tarik Akel, den Ercan aus gemeinsamer Zeit beim Türkischen FK und SC Eltersdorf kennen und schätzen gelernt hatte, dafür sorgten, dass der Offensivgeist erneut „einfach abschalten“ konnte und mit dem TSV eine formidable Saison hinlegte. Den Aufstieg in die Landesliga verpasste der TSV Südwest in diesem Jahr durch ein Scheitern in der Relegation nur denkbar knapp. Nach dem einen Jahr fiel die Truppe dann allerdings auseinander, auch Routinier Dedeoglu zog weiter und landete bei Türk Gücü Fürth in der Kreisklasse, obwohl er durchaus ähnliche Zustände wie beim Club seines Herzens, dem Türkischen FK, befürchtete. „Der Drang nach Neuem und die Sehnsucht nach einer neuen Herausforderung gaben aber für mich den Ausschlag, warum ich mich dennoch Türk Gücü anschloss“, erläutert der Fußballnarr.
Und trotz schlechtem Start gelang im ersten Jahr gleich der Aufstieg in die Kreisliga, die Türk Gücü bereits seit vier Jahren erhalten konnte. „In dieser Saison allerdings sieht es bislang nicht wirklich gut für uns aus. Keine Frage, fünf Punkte sind eindeutig zu wenig. Wir müssen schauen, dass der Abstand auf das rettende Ufer nicht zu groß wird“, bekennt der Spielertrainer des angeschlagenen Schlusslichts. „Allerdings“, bemerkt Dedeoglu, „so schlecht, wie wir dastehen, sind wir sicherlich nicht. Viele Spiele waren eng und wir hatten in den entscheidenden Situationen nicht das nötige Quäntchen Glück, das man braucht. Jetzt heißt es kämpfen und die nötigen Punkte einfahren - egal wie“, gibt der 1,74 Meter große Angreifer die Marschrichtung vor.
Großes Highlight: der Türkische FK wurde 2004 Zweiter beim Atatürk-Pokal.
Foto: privat
Erfahrungen hat Ercan Dedeoglu mittlerweile genug gesammelt. Viele Highlights erlebte er in sportlicher Hinsicht, doch eines ist im dabei ganz besonders in Erinnerung geblieben: „2004 kam ich mit dem Türkischen FK beim Atatürk Pokal, der deutschlandweit unter den türkischen Vereinen ausgespielt wird, bis in das Endturnier in Köln. Am Ende sprang ein zweiter Platz heraus – und das, obwohl höherklassige Vereine vertreten waren. Das war für mich schon ein grandioses Ereignis.“.
Über die nötige Ruhe verfügt der 40-jährige mittlerweile auch außerhalb des Platzes. Dafür sorgen schon seine Frau Tüzin, mit der er seit zehn Jahren verheiratet ist und seine beiden Kinder, Tochter Seren, sieben und Sohn Can, fünf Jahre alt. „Sie zeigen mir immer wieder, dass es wichtigeres als Fußball gibt. Wobei ich sagen muss, dass Can auch allmählich seine Leidenschaft für das runde Leder entdeckt. Ich möchte ihm aber keinen Druck machen, er soll selbst entscheiden was ihm gefällt.“
Keine Frage, Ercan Dedeoglu weiß mit vielen Situationen umzugehen. Bleibt zu hoffen, dass er mit Türk Gücü Fürth noch die Kurve bekommt. Aber vor Herausforderungen hat sich der Dauerbrenner nie gescheut.




