Ein fußballverrückter Peterlesbou
Geschrieben von: Marco Galuska Mittwoch, den 13. Mai 2009 um 20:35 Uhr
Roland „Landi“ Frey im Portrait
Ob auf dem Platz, der Trainerbank, unter den Zuschauern, im Vereinsheim – wo immer der Fußball in Nürnberg und Umgebung rollt, die Chancen stehen nicht gerade schlecht, dort auch Roland Frey anzutreffen. fussballn.de beleuchtet die fußballerische Laufbahn eines waschechten Nürnberger Originals.
Im Jahr als der ruhmreiche 1. FCN seine bislang letzte Meisterschaft feiern konnte, erblickte der heutige Coach des ASN Pfeil Phönix das Licht der Welt in Nürnberg – ein echter „Peterlesbou“ also, wie man einen wie ihn nennt, der zeitlebens in der für ihn „schönsten Stadt der Welt“ fest verwurzelt blieb. Die Verbindung zum Club von Geburt an blieb aber beileibe kein Zufall. „Seit 34 Jahren bin ich Mitglied und treuer Fan des FCN“, berichtet Frey voller Stolz. Der Fußballplatz war schon von Kindesbeinen an die Heimat von Roland Frey, den alle nur „Landi“ nennen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der Spitzname durch seine langjährige Fußballkarriere in der Landesliga entstanden sei. „Das stimmt nicht! Den Spitznamen habe ich schon als kleines Kind von meinem Vater bekommen“, lacht Frey, als ob er diesen Irrtum nicht zum ersten Mal aufklären musste. Dennoch ist der Gedankengang durchaus nachvollziehbar, denn nach dem er beim 1. FCN von 1974 an sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen hatte, setzte er bis 1993 seine Karriere bei den Club-Amateuren in der Bayern- und Landesliga fort. Bis 1998 kickte der Defensivspezialist dann für den BSC Erlangen in der Landesliga, ehe zwei weitere Jahre am Valznerweiher in der Bayernligamannschaft folgen sollten.
Lufthoheit im Dress der FCN-Amateure Ende der 80er Jahre
Foto: Privatarchiv
Dass es zur Profi-Karriere, wie bei Marc Oechler, mit dem er gemeinsam in der Club-Jugend kickte, nicht gereicht hat, grämt Frey nicht: „Ich war nie der Riesenfußballer, hab aber mit meinem Hobby nebenbei noch etwas Geld verdient – was will man denn mehr?“, blickt er auf seine aktive Zeit zufrieden zurück. Unter Hermann Gerland durfte er 1988 sogar in einem Testspiel bei den Profis ran. Ansonsten sind ihm in seiner aktiven Zeit beim Club die „heißen Duelle“ mit der SpVgg Fürth um den Bayernliga-Aufstieg in Erinnerung geblieben. Sein direkter Gegenspieler Oliver Zettl hat ihn dabei immer wieder vor einige Schwierigkeiten gestellt. „Ja, der Olli war schon so was wie ein Angstgegner. Gegen den habe ich nie wirklich gut ausgesehen!“, kann sich der 40jährige noch genau an die brisante Begegnung 1991 erinnern, als die Kleeblättler vor 3500 Zuschauern in Bayreuth mit 2:1 gegen Freys Club-Amateure das Entscheidungsspiel um die Landesliga-Meisterschaft gewannen und Zettl dabei zum 2:0 traf. Eine positive Erinnerung hat das Nürnberger Original dagegen an einen besonders prominenten Gegenspieler. Als der Club 1985 Deutscher A-Jugend-Vizemeister wurde, bekam es Frey im Halbfinale mit dem späteren Hertha-Torjäger Michael Preetz zu tun, der damals noch für Fortuna Düsseldorf stürmte. „Wir gewannen im Elfmeterschießen und unterlagen im Finale dann Bayer Leverkusen mit 0:2“, berichtet Frey von einem „echten Highlight“ seiner Karriere. Besonders stolz ist er aber auch auf die sensationelle Aufholjagd mit dem ASV Neumarkt im Jahr 2001. Fast schon aussichtslos abgeschlagen gelang dank einer sensationellen Serie noch der Klassenerhalt in der Bayernliga. „In 14 Partien haben wir hinten zehn Mal zu Null gespielt“, fasst das wandelnde Fußballlexikon die „tolle Energieleistung“ zusammen.
2001 heuerte „Landi“ in Vach an und hatte fortan mit dem Verletzungspech zu kämpfen. Besonders die Achillessehne, die 2002 und 2004 riss, durchkreuzten die ehrgeizigen Pläne als Spieler beim ASV Vach. So wurde ihm aus der Wade eine Sehne entnommen und mit drei Schrauben an der Ferse befestigt und die Achillessehne so nachgebildet. Aber wenn man schon selbst auf dem Platz nicht mitwirken kann, lässt sich ein „Fußballverrückter“ wie er noch lange nicht vom aktiven Geschehen abhalten und versucht zumindest seine fußballerische Erfahrung weiterzugeben. Nachdem in Vach, die (wie man aktuell wieder anfügen muss) erste Ära Uwe Neunsinger zu Ende ging, übernahm Frey zwischenzeitlich das Traineramt der Landesliga-Truppe und in der Saison 03/04 coachte er dann die „Zweite“ der Vacher in der Bezirksliga.
Über die Großreuther Kärwa-Burschen, denen er seit langen Jahren verbunden ist, kam schließlich der Kontakt zu den „Assen“ zustande. Und so startete die Trainerlaufbahn des Stromzählermonteurs der N-ERGIE beim ASN Pfeil Phönix in der A-Klasse. Auf Anhieb gelang mit der eingeschworenen Truppe die souveräne Meisterschaft und der Aufstieg in die Kreisklasse. Walter Klein setzte mit dem Kreisliga-Aufstieg im zweiten Kreisklassenjahr 2007/08 das fort, wofür Frey mit seiner akribischen Arbeit den Grundstein gelegt hatte, bevor er das Angebot des ASV Vach in der Landesliga annahm und dort sicher den Klassenerhalt schaffte. Der Kontakt nach Ziegelstein ist dabei aber nie abgerissen („Ich habe mir sogar in der Halbzeit in Vach, die Ergebnisse immer per SMS schicken lassen“) und so ist er nun seit November 2008 wieder verantwortlich für die Pfeil-Kicker.
Auf sein Erfolgsrezept als Trainer angesprochen, verweist „Landi“ auf die „einmalige Kameradschaft“ in seiner Truppe und die hervorragenden Lehrmeister wie Dieter Nüssing, Fritz Popp, Hannes Baldauf, Reinhold Hintermaier, Günter Güttler oder Uwe Neunsinger. „Da ist das Beste hängen geblieben“ kann Frey auf einen großen Erfahrungsschatz in der Mannschaftsführung zurückgreifen. Es scheint, als ob Roland Frey dabei die richtige Mischung gewählt hat. Denn in elf Partien holten die „Assen“ stolze 22 Punkte unter seiner Regie und konnte so die Abstiegsränge verlassen. Unabhängig von der Spielklasse wird Frey auch in der kommenden Saison Trainer am Marienberg bleiben, das wurde per Handschlag für ein weiteres Jahr besiegelt. Dafür dass seine „Assen“ in der Kreisliga bleiben, legt sich ihr Coach mächtig ins Zeug und konnte sogar am Feld noch einen Beitrag leisten, als er sich beim Auswärtsspiel bei der SG Quelle Fürth II in der Nachspielzeit selbst einwechselte und mit dem ersten Ballkontakt zum 2:2-Ausgleichstreffer einköpfte. „Für einen Ballkontakt reicht’s noch“, meinte Frey danach schelmisch, zieht es aber ganz klar vor, als Trainer an der Seitenlinie mitzufiebern.
Das Mitfiebern wird bei ihm ohnehin nicht nur als Trainer andauern, denn als eingefleischter Fan, verfolgt er die Spiele „seines Glubbs“, wenn immer möglich, mit seiner Dauerkarte „im Block 12“ und scheut dabei auch so manche Auswärtsfahrt oftmals mit einem Großteil seiner Mannschaft nicht. Daneben ist er seit einem Vierteljahrhundert treuer EHC-Anhänger und deshalb froh, dass auch im kommenden Jahr in Nürnberg weiterhin Profi-Eishockey gespielt wird. Denn irgendwie muss man ja auch die fußballlose Zeit überbrücken können.




