Der gelebte Traum
Geschrieben von: Michael Watzinger Mittwoch, den 19. August 2009 um 11:11 Uhr
SV Wackers Spielertrainer Stefan Hampl im Portrait
Jeder Hobbykicker träumt zu irgendeinem Zeitpunkt schon einmal von der großen Karriere als Fußballprofi. „Was wäre wenn?“. Diesen Satz hat sich wohl jeder halbwegs talentierte Freizeitsportler insgeheim schon einmal durch den Kopf gehen lassen. Stefan Hampl, heute Spielertrainer beim Kreisklassisten SV Wacker, lebte diesen Traum, wechselte im Alter von 25 Jahren zum Bundesligisten SC Freiburg und lernte dort eine völlig andere Welt kennen. Bei fussballn.de gestattet der Torjäger Einblicke in seine Vergangenheit und spricht auch über seine Zukunft.
Wer Stefan Hampl das erste Mal über den Weg läuft, trifft auf einen Mann, der zunächst so gar nicht den Vorstellungen eines ehemaligen Fußballprofis entspricht. Zunächst einmal fallen die tätowierten Arme auf, dann wäre da seine offene sympathische Art und keine Spur von Arroganz oder Unfreundlichkeit. Das ist insofern erstaunlich, kennt man die Geschichte dieses Mannes, der einst einen schier unglaublichen Aufstieg für einen Amateursportler hinlegte. Seine Fußballkarriere begann der am 17. September 1974 in Nürnberg geborene Fußballnarr bereits als Vierjähriger beim fränkischen Traditionsverein schlechthin, dem 1. FC Nürnberg. Schon früh kristallisierte sich das Talent des jungen Angreifers heraus: sein unnachahmlicher Torriecher. Nachdem Hampl sämtliche Juniorenstufen beim Club durchlaufen hatte, erfolgte nach seinem ersten Jahr bei den A-Junioren der Wechsel zur SpVgg Ansbach. Dort spielte er ein Jahr, ehe er anschließend zur Vollmannschaft aufrückte. Nach drei Jahren Landesliga zog der talentierte Jungspund dann weiter zum SC 04 Schwabach, wo er erneut für drei Jahre die Fußballschuhe schnürte.
Einem Zufall ist es letztlich zu verdanken, dass der Bundesligist SC Freiburg auf die Fähigkeiten des Torjägers aufmerksam wurde. Der damalige Trainer Hampls, Wolfgang Bartusch, kannte die Freiburger Trainerlegende Volker Finke und gab ihm den Tipp, den treffsicheren Stürmer doch einmal zu beobachten. Gesagt, getan. Beim Spitzenspiel des SC 04 Schwabach gegen Jahn Regensburg saßen tatsächlich Scouts des Bundesligisten am Spielfeldrand. „Glücklicherweise hatte ich dann einen ziemlich guten Tag erwischt, spielte recht ordentlich“, blickt Hampel grinsend zurück.
Und so kam es, dass der mittlerweile 25-jährige für eine Woche zum Vorspielen in den Breisgau eingeladen wurde. „Ich kann mich noch genau erinnern. Ich war ziemlich nervös. Ich wollte nicht dorthin fahren und mich dann bis auf die Knochen blamieren. Das waren die Gedanken vor meiner Abreise in Richtung Freiburg.“ Doch all die Sorgen lösten sich während des einwöchigen Probetrainings mehr und mehr in Luft auf. Hampl brachte seine Fähigkeiten ein und „haute sich voll rein“, wie er es schmunzelnd umschreibt. Und dennoch, als er tatsächlich kurze Zeit später vor einem Drei-Jahres-Kontrakt stand und diesen unterschrieb, konnte er es gar nicht so recht fassen. „Es war einfach unglaublich. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich tatsächlich einmal Mitglied dieser Mannschaft werden würde. Immerhin spielten dort Bundesligastars wie der Tunesier Zoubaia Baia, Alexander Iashvili, Richard Golz, oder auch Tobias Willi – Spieler, die ich bis dato ja nur aus dem Fernsehen kannte.“
Interessanterweise wurde es dem Neuankömmling beim SC Freiburg unerwartet leicht gemacht: „Trainer Finke war ein sehr offener und kommunikativer Mensch, er und Richard Golz halfen mir in der Anfangszeit sehr. Das ging sogar soweit, dass Finke mir eine Bar nannte, in der man als Spieler den Abend besonders gut ausklingen lassen kann“, plaudert der Angreifer aus dem Nähkästchen. Um dann mit einem breiten Grinsen nachzuschieben: „Als ich dieser Empfehlung gefolgt bin und gerade an diesem Abend Trainer Finke in die Bar kam, hatte ich schon ein komisches Gefühl in der Magengegend. Doch er setzte sich zu mir und meinem Bier und freute sich, dass ich seinem Ansinnen gefolgt war.“
Stefan Hampls Autogrammkarte beim SC Freiburg. Beim Sportclub erlebte der Angreifer eine aufregende Zeit, spielte unter anderem gegen den FC Bayern München.
Foto: SC Freiburg
Ein ganz besonderes Erlebnis in seiner Karriere war für Stefan Hampl freilich sein Bundesliga-Debüt. Dass dieses für den „Ex-Glubberer“ im Münchner Olympiastadion gegen den großen Erzfeind FC Bayern München stattfand gab dem ganzen noch einmal einen besonderen Touch. „Ich war total aufgeregt vor dem Spiel, doch als ich erstmal auf dem Rasen stand, war ich hochkonzentriert – viel Zeit darüber nachzudenken, wer da gerade deine Gegenspieler sind hast du da ja ohnehin nicht.“
Seine Premiere in der Freiburger Startelf gab Hampl im Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin. Dumm nur, dass er beim Anschwitzen in der Abschlusseinheit am Vormittag umknickte und sich einen Bänderriss zuzog. „Nur der Masseur wusste es. Ich wollte es erst dem Trainer sagen, doch dann wurde mir bewusst, dass ich dann wohl kaum spielen dürfte. Also bandagierten wir den Fuß dick ein. Ich spielte, allerdings nicht sonderlich gut. Ich tat dies, um eine Woche später gegen meinen 1. FC Nürnberg im Abstiegsfinale antreten zu dürfen. Diese Hoffnung hatte sich nach meiner gezeigten Leistung allerdings erübrigt.“, erinnert sich der Nürnberger an die verpasste Chance zurück.
Und darüber ist der Routinier im Nachhinein doch froh. Im großen Abstiegsfinale verloren die Nürnberger ihr Heimspiel gegen den SC Freiburg mit 1:2 und zeitgleich gewann Eintracht Frankfurt sein Heimspiel mit 5:1 gegen Kaiserslautern. Dadurch stieg der FCN in die Zweite Bundesliga ab. „Das tat mir wirklich in der Seele weh. Alle meine Verwandten waren an diesem Tag im Frankenstadion. Und auch mir tat es für meinen alten Verein wahnsinnig leid. Rückwirkend bin ich wirklich froh, nicht direkt beteiligt gewesen zu sein.“
Die Zeit in Freiburg beschreibt der Stürmer als eine wunderbare Erfahrung, als seine schönste Zeit. Nicht nur wegen der tollen Kameradschaft die in der Truppe herrschte. Er lernte dort auch sein privates Glück in Form seiner heutigen Frau Sladjana kennen, mit der er seit nunmehr acht Jahren verheiratet ist und den sechsjährigen Sohn Jannis, ebenfalls begeisterter Fußballer, hat. „Ohne Freiburg wäre mein Leben also komplett anders verlaufen. Ich bin glücklich und dankbar, dass alles so gekommen ist“, gesteht Hampl. Doch um diesen Traum leben zu können, musste der Genießer auf so manches verzichten: „Die Ernährungsumstellung fiel mir ehrlich gesagt ziemlich schwer. Ich esse eben gerne einfach das, was mir schmeckt – und das muss nicht zwangsläufig immer gesund sein."
Nach zwei Jahren wechselte der Torjäger dann weiter zum SV Wacker Burghausen in die Regionalliga. „Ich wollte wieder in die Heimat, wieder nach Bayern“, begründet der Franke seine Entscheidung. Nach zwei Jahren und dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga erfolgte der Wechsel zum SC Feucht, der zu diesem Zeitpunkt in der Bayernliga spielte und mit dem er im zweiten Jahr erneut einen Aufstieg feiern konnte, diesmal in die Regionalliga. Während dieser Station hatte er mit Rainer Hörgl und Rudi Bommer zwei Trainer über sich, die heute höchsten Ansprüchen genügen und zur damaligen Zeit ihr Handwerk erlernten. Die Zeit in Feucht endete abrupt, als sich Hampl mit dem damaligen SC-Manager Grübler überwarf und schließlich zu den Stuttgarter Kickers weiterzog. Da Hampl in der Hinrunde mit 15 Treffern herausragend spielte, wurde das Interesse anderer Vereine geweckt, die Gerüchte um mögliche Wechsel sorgten dafür, dass der Knipser in der Rückrunde nur noch einmal zum Einsatz kam, pikanterweise gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber Stuttgarter Kickers. Doch auch in dieser Partie unterstrich Hampl einmal mehr seinen Wert und traf. „Rückblickend finde ich das ziemlich schade. In Feucht hatte ich eine tolle Zeit. Es passte einfach alles zusammen. Das Ende hätte ich mir anders gewünscht“, kommt noch immer ein wenig Wehmut an die alte Feuchter Zeit auf.
Seine Stuttgarter Episode war eine kurze. Nach nur einem halben Jahr wechselte Hampl aus privaten Gründen wieder in Richtung Heimat, diesmal nach Ingolstadt. Dort begann das Verletzungspech des Angreifers. Knorpel- und Meniskusschaden setzten den ehrgeizigen Strumtank über ein Jahr außer Gefecht, sodass er zum damaligen Aufstieg in die Regionalliga nur wenig beisteuern konnte.
Weitergezogen zum FSV Erlangen-Bruck erfolgte bereits in der zweiten Trainingseinheit ein Achillessehnenabriss. Diese schwere Verletzung sorgte dafür, dass er die Fußballschuhe an den Nagel hängen wollte.
Seit Winter 2006 geht Hampl für den SV Waker auf Torejagd. Mittlerweile bekleidet der Angreifer auf der Wacker-Alm das Amt des Spielertrainers.
Foto: fussballn.de
Dann jedoch kam die Anfrage eines Cousins im Winter 2006, ob er sich ein Engagement beim Kreisklassen-Team SV Wacker vorstellen könnte. Er konnte. Und so half Hampl tatkräftig beim Aufstieg in die Kreisliga mit. „Und dort, erlebte ich den bisher einzigen Abstieg in meiner Karriere. Eigentlich dachte ich, davon verschont zu bleiben“, blickt er zurück, während sein sympathisches Lächeln für einen Moment verschwindet.
Doch auch nach dem direkten Abstieg aus der Kreisliga blieb Hampl, der nun im Sanitärgroßhandel arbeitet, dem SV Wacker treu, übernahm das Amt des Spielertrainers, zusammen mit Thorsten Eiser. „Ich bleibe noch dieses Jahr, denn ich wollte den Verein nicht hängen lassen. Langfristig möchte ich aber etwas anderes machen“, erzählt der Torgarant ehrlich. Ob als Spieler oder Trainer lässt er dabei offen.
Ehrgeizig ist er also nach wie vor noch. „Egal ob ich gegen Bayern München oder gegen eine Mannschaft aus der Kreisklasse spiele, gewinnen möchte ich immer. Und außerdem habe ich mir, wie jedes Jahr eine Torquote vorgenommen, die es zu erreichen gilt.“
Der SV Wacker kann sich also der Treffer ihres Spielertrainers in diesem Jahr noch sicher sein. Mit Sicherheit keine schöne Nachricht für seine Gegenspieler.



