Die Jugend als Aufgabe
Geschrieben von: Michael Watzinger Mittwoch, den 19. Januar 2011 um 16:27 Uhr
Der langjährige Jugendtrainer Manfred Wild im Portrait
Manfred Wild ist eine der Trainer-Ikonen im Juniorenfußball in Nürnberg / Fürth und Umgebung. Selbst - wie er sagt - nur mit wenig fußballerischem Geschick ausgestattet, gelang es dem heutigen Coach des U-16-Teams des SV 73 Süd sowie der U-19 von Tuspo Nürnberg in Personalunion, die Jugendlichen mit Witz und zwischenmenschlich einwandfreiem Auftreten für sich zu begeistern. In seinen vielen Jahren als Trainer (unter anderem auch bei der SG 83) hat er dabei einiges erlebt. Bei fussballn.de wirft der Erfolgstrainer einen Blick zurück und redet auch über Ziele und Träume.
Die fußballerische Laufbahn von Manfred Wild, am 29. 12. 1959 in Nürnberg geboren, ist schnell erzählt. Zwischen dem 13. und dem 18. Lebensjahr rannte der Bürokaufmann dem runden Leder im Jersey des Tuspo Nürnberg hinterher. Quasi parallel spielte er im selben Verein noch Kreisläufer im Handball. Warum? Dafür hat Manni Wild eine kurze, aber aussagekräftige Erklärung parat: „Ich war nicht der talentierteste Fußballspieler. Zwar war ich zu meiner aktiven Zeit konditionell voll auf der Höhe, mit dem Ball konnte ich aber nicht immer etwas anfangen“, grinst der humorvolle 51-jährige auf die Nachfrage. So kam es, dass Manfred Wild mit der Volljährigkeit und der Beendigung seiner Lehre die Fußballschuhe an den Nagel hing und auch nach der abgeleisteten Wehrpflicht beim Bund nicht wieder mit dem Kicken begann. Dass er dem Fußball nicht abhanden kam, dafür macht der Nürnberger zum einen seine Liebe zu diesem Sport an sich, zum anderen den damaligen Jugendleiter des Tuspo Nürnberg, Willi Oschitz, verantwortlich. „Er war es, der mit der Bitte an mich herantrat, die C-Junioren des Vereins zu übernehmen. Erst war ich skeptisch, aber letzten Endes habe ich mich weichkochen lassen", erinnert sich Wild an die Anfänge seiner Trainerlaufbahn zurück.
"Weichkochen" möchte Wild im Übrigen nicht negativ verstanden wissen und die Zeit als Trainer und Betreuer beim Verein am Marienberg keinesfalls missen. Wie wäre es anders zu erklären, dass er, der so viel Wert auf den richtigen Umgang im zwischenmenschlichen Bereich legt, dort ganze 20 Jahre Jugendmannschaften betreute? Gerade als junger Trainer lernte Wild schnell, wie man Jugendliche auf seine Seite ziehen kann: „Ich bin eigentlich ein freundschaftlicher Typ. Respekt ist zwar wichtig, trotzdem versuche ich letztlich für jeden Spaß zu haben zu sein. Mit meinem Motto: ‚Die Jungs mit den eigenen Waffen, sprich lockeren Sprüchen zu schlagen’ bin ich immer recht gut gefahren.“ In all seinen Jahren als Trainer ist Manfred Wild ein Jahrgang ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Seine A-Junioren des Tuspo Nürnberg mit denen er mächtig für Furore gesorgt hat. „Das war für mich bis dahin die beste Truppe, die ich trainiert habe. Nicht umsonst sind wir damals mit diesen Jungs Hallenkreismeister geworden und 1999 auch in die Bezirksoberliga aufgestiegen!“
Unter Manfred Wild gelang den A-Junioren des Tuspo Nürnberg 1999 der Aufstieg in die Bezirksoberliga. Auch heute erinnert sich der Coach gerne noch an seine damalige Truppe zurück.
Foto: privat
Genau diese Liebe zur Mannschaft sorgte dann letztlich für den Bruch in der bis dato so harmonischen Verbindung zwischen Manfred Wild und dem Tuspo Nürnberg. Als die Mannschaft in der unter anderem Wilds Lieblingsschüler - der spätere Vacher Alexander Ghebreigziabiher - spielte, den Übergang von dem Junioren- in den Seniorenbereich zu bewältigen hatte, sah der Trainer einige Spieler seines Teams nicht genug gewürdigt.
Und so ließ sich der engagierte Betreuer einen Wechsel zur SG Nürnberg 83 schmackhaft machen, wo er zunächst die A-Junioren übernahm, die soeben den Aufstieg in die Bayernliga bewerkstelligt hatten, ehe er auch andere Altersklassen betreute. Anders als beim beschaulichen Tuspo bekam es der beliebte Trainer hier und da nun mit schwierigeren Charakteren zu tun. „Wichtig war trotzdem immer der respektvolle Umgang miteinander – und das hat letztlich bis auf ganz wenige Ausnahmen auch immer funktioniert“, betont Wild. So sollte auch hier die witzige und offene Art bei seinen Schützlingen gut ankommen.
Eine wohl einmalige Geschichte spielte sich dann in der Saison 2005/2006 ab. „Zusammen mit Hans Hendel stieg ich damals mit meiner B-Jugend durch ein 4:1 über Rothenburg in die Bayernliga auf. Viel Zeit zum Feiern blieb allerdings nicht, da ich auch die C-Junioren zur Winterpause übernommen hatte und diese ebenfalls an diesem Tag ihr Spiel um den Aufstieg hatte. Wir tranken also schnell unseren Aufstiegssekt, ehe wir dann im Autokorso zur SG fuhren, wo uns dann ein torloses Unentschieden gegen die SG Quelle Fürth genügte, um auch hier feiern zu können - das sind schon ganz besondere Momente, die man wohl nie vergisst.“ In dieser Erzählung spiegelt sich der Charakter von Manfred Wild bestens wieder: angenehm zurückhaltend was seine eigene Person betrifft, jedoch ungeheuer dankbar für unbeschreibliche Momente, macht er keinen Hehl daraus, wie viel ihm solche Erinnerungen bedeuten. Der fußballverrückte Jugendbetreuer, dem aufgrund eines erlittenen Herzinfarkts der Trainerschein verwehrt blieb, opfert sich für seine Mannschaften auf, hat immer ein offenes Ohr – auch fernab des grünen Rasens. „Wenn ich eine Mannschaft übernehme, dann bin ich mit ganzem Herzen bei der Sache. Es ist doch völlig normal, dass die Jungs auch zu mir kommen können, wenn sie etwas belastet.“, berichtet Wild ausnahmsweise mit ernster Miene.
Dass er seinen Worten auch Taten folgen lassen kann, bewies Wild bereits
zu Tuspo-Zeiten, als er zusammen mit einem Radio-Sender ein
Benefizspiel unter dem Motto "Lobby für Kinder" gegen eine Prominentenauswahl aufzog und so insgesamt stolze 1500
Euro zusammentrommeln konnte.
Manfred Wild (links im Bild) sammelte mit seinem Tuspo dank eines Benefizspiels gegen eine Prominenten-Elf insgesamt stolze 1500 Euro unter dem Motto "Lobby für Kinder".
Foto: Gillert
Wild sieht seine Aufgaben also nicht nur im Trainieren und Aufstellen einer Mannschaft. Genauso wichtig wie Erfolg ist ihm die persönliche Entwicklung jedes Spielers. Gerade Junioren versucht Wild in die richtigen Bahnen zu lenken, ihnen Werte und Dinge zu vermitteln, die ihnen auch im Alltag ihres Lebens weiterhelfen können. Am einfachsten bringt man das aus Sicht des Spaßvogels mit einer Portion Humor rüber.
Hat dieser "Sprücheklopfer" dann überhaupt Ambitionen auch einmal eine Herrenmannschaft zu betreuen? „Natürlich hatte ich mir das auch schon überlegt, aber die einzig reizvolle Gelegenheit, damals bei der SG 83 die Zweite Mannschaft zu übernehmen, hat sich dann leider doch erübrigt. Aber was soll’s: ich bin auch so absolut zufrieden und freue mich, weiter mit Jugendlichen arbeiten zu können.“ Die von Wild angesprochene Gelegenheit war letztlich auch das Ende bei der SG 83. Wild hatte damals eine Anfrage, die Zweite Mannschaft des Vereins zu übernehmen. Allerdings sprach man sich dann doch gegen ein Engagement als Trainer bei den Senioren aus, obwohl dieser lange Jahre als Betreuer ohnehin schon im Seniorenbereich aktiv war. Etwas enttäuscht sei Manfred Wild schon vom Verein gewesen, als er nun zurückgewiesen wurde. Schließlich blieb er dem Verein in der Saison 2006/07 trotz eines Angebots des 1. FC Nürnberg als Co-Trainer der U 16 treu.
So zog es ihn nach knapp zehn Jahren wieder weg von einem Verein, der ihm sehr ans Herz gewachsen war. „Es ist ja nicht so, dass man den Verein, für den man so lange alles getan hat, dann auf einmal nicht mehr leiden kann. Man mag so viele Leute, die mit dem Klub in Verbindung stehen. Trotzdem muss man wegen ein paar einzelner schweren Herzens gehen. Das fällt natürlich nicht leicht“, gesteht Wild, der Vereine schätzt, bei denen er sich „zu Hause“ fühlen kann.
So aber übernahm Wild nun die Süder U-16-Junioren und ist auch wieder als Trainer von Tuspo Nürnbergs, diesmal bei der U-19 aktiv. Dies sei nur möglich, da er sich die Trainingszeiten beim Verein aus dem Nürnberger Norden mehr oder weniger frei aussuchen konnte und so keine Kollision der beiden Mannschaften auftrat.
Rückkehr an eine erfolgreiche Wirkungsstätte: 1999 wurden Manfred Wild (rechts) und seine A-Junioren vom damaligen BFV-Spielleiter Gerhard Hager (links) mit dem Meisterwimpel geehrt. Nach zehn Jahren Abstinenz ist Wild wieder Trainer der Tuspo-A-Junioren.
Foto: privat
Dass er den Tuspo aber nicht stiefmütterlich behandelt, zeigt hierbei ein kleines, aber feines Detail. Neben seiner Arbeit auf dem Trainingsplatz nimmt sich der Coach gerne die Zeit, um eine Internetseite seiner Jugendmannschaften anzulegen. „Das ganze ist ein Spaß von mir und den Jungs gefällt es. Dort gibt es dann auch immer etwas Neues, wie beispielsweise den Witz der Woche“, grinst Manfred Wild schelmisch.
Auch wenn er bisher keine Herrenmannschaften trainiert hat, traurig ist dieser Mann sicherlich nicht darüber. Viel zu sehr liegt ihm die Arbeit mit Heranwachsenden am Herzen. Wie sonst ist es zu erklären, dass er auf die Frage, ob er Kinder habe, antwortet: "Ich habe 20 Kinder, nämlich meine Mannschaft"? Keine Frage, Manni Wild machte sich die Jugend zur Aufgabe.



