„Die Lunge“ als Dauer(b)renner

Tuspos Spielertrainer Metin Kett-Karabiyik im Portrait

Unter Metin Kett-Karabiyik gelang Tuspo Nürnberg in der abgelaufenen Saison mit dem Aufstieg die Rückkehr in die Kreisklasse. Für den Spielertrainer der seit 1973 eng mit seinem Verein verbunden ist, geht damit ein stiller Wunsch in Erfüllung. fussballn.de blickt auf die Geschichte des zurückhaltenden Mannes, der als Routinier die junge Mannschaft um Sohn Tim so erfolgreich durch die schwierigen Spiele der Relegationsrunde führte.

Metin Karabiyik, am 30. September 1961 in Istanbul geboren, siedelte als achtjähriger mit seiner Familie nach Deutschland über. Sein Vater war bereits fünf Jahre zuvor als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen und holte dann, 1969, seine Frau und die gemeinsamen drei Kinder in die neue Heimat. Der junge Türke fasste in der fremden Umgebung schnell Fuß, gewann bereits nach kurzer Zeit neue Freunde.
Weitere vier Jahre nach der Ankunft in der neuen Heimat, begann dann seine Fußball-Laufbahn. Einmal der C-Jugend des Tuspo Nürnberg beigetreten, durchlief der fußballverrückte Jungspund sämtliche noch folgende Altersstufen, um dann in seinem zweiten A-Jugendjahr bereits am Neuaufbau der damaligen Ersten Mannschaft des Vereins als Spieler eingebunden zu werden.
In der langjährigen Verbindung zum Tuspo, machte er sich schnell einen Namen, den er nach seiner späten Hochzeit mit Frau Sabine 2007, mit der er seit über 30 Jahren liiert ist, mit dem Familiennamen Kett erweiterte. Nach seiner Jugendzeit bei seinem Stammverein erfolgte 1986 der Wechsel zum ASN Pfeil. Sein ehemaliger Trainer Günter Müller hatte die Fühler nach ihm ausgestreckt und es tatsächlich geschafft, ihn auf die andere Seite des Zaunes der sich angrenzenden Vereine zu lotsen. Die Zeit bei den „Assen“ geriet für den ehrgeizigen Spieler zu einer schwierigen Zeit. Sich nie richtig heimisch fühlend zog Karabiyik, der sein Geld als selbstständiger Spengler verdient, bereits sechs Monate nach dem Wechsel weiter zum Türkischen FK.

Kett-Karabiyik bei Türkisch FKMetin Kett-Karabiyik während seiner Glanzzeit beim Türkischen FK.
Foto: privat

„Die Zeit dort entspricht rückblickend dem absoluten Höhepunkt meiner fußballerischen Laufbahn. Ich habe dort viel gelernt. Zum einen spielte ich mit Leuten, wie dem späteren SpVgg Fürth-Profi Mahmut Bulut zusammen, zum anderen war mein Bruder Yüksel, genannt Jupp, ebenfalls im Kader, so dass die Zeit für mich unvergesslich bleiben wird. Es war nicht nur sportlich, sondern vielmehr auch menschlich eine tolle Zeit. Die damalige Truppe hatte einfach eine tolle Kameradschaft“, resümiert das Tuspo-Urgestein. Die sieben Jahre bei der damaligen Topadresse der türkischen Vereine in Nürnberg verliefen sehr emotional, standen zwei Aufstiegen – darunter der Bezirksligaaufstieg in der Spielzeit 93/94, als Meister der damaligen A-Klasse (heute Kreisliga) – dem zwischenzeitlichen Absturz in die B-Klasse gegenüber. Gerade in dieser Zeit bewies der unermüdliche Kett-Karabiyik des Öfteren seinen eisernen Willen. So kämpfte sich die "Nummer Sechs" nach einem Schien- und Wadenbeinbruch erneut zurück. Viele aus seinem damaligen Umfeld trauten ihm das indes nicht mehr zu. „Ich wollte es mir, aber vor allem auch den vielen Kritikern beweisen, die so sehr an meiner Rückkehr zweifelten. Heute kann ich sagen: ich habe es allen gezeigt“, blickt Kett-Karabiyik zufrieden zurück.
1994 kehrte der Vollblutfußballer dann zu „seinem“ Tuspo zurück. Als dann auch noch Sohn Tim weitere drei Jahre später in der F-Jugend gegen den Ball trat, war für den stolzen Vater klar, dass er seinem Filius bei dessen fußballerischen Entwicklung weiterhelfen möchte. So kam es auch, dass Metin Kett-Karabiyik seit 1997 dessen Jugendmannschaft betreute. Probleme mit eifersüchtigen Mitspielern gab es in der gesamten Zeit nicht: „Im Gegenteil. Ich war als Trainer gerade meinem Sohn gegenüber sehr streng. Es kam immer mal wieder vor, dass die anderen Eltern zu mir kamen und sagten ich solle nicht so streng mit Tim sein. Aber ich wollte mir da nichts nachsagen lassen. Und letztlich sind wir damit auch ganz gut gefahren“, erinnert sich der engagierte Coach an die zurückliegenden Jahre.
Wie gut das Ganze funktioniert hat, erkennt man auf den ersten Blick bei der Betrachtung des heutigen Kaders der Ersten Mannschaft Tuspo Nürnbergs. „Bis auf zwei Spieler aus der von mir betreuten Jungend haben alle den Sprung in die Erste geschafft. Unsere junge Truppe besteht jetzt zum Großteil aus dem Jahrgang meines Sohnes“, kann der fleißige Trainer voller Stolz zurückblicken.
Seit seiner ersten Trainerstation bei den Erwachsenen, 2006 erneut beim Türkischen FK, sah sich Metin Kett-Karabiyik nur noch als Trainer, hing die Fußballschuhe bereits an den Nagel. Als dann allerdings nach der Saison erneut ein Angebot von seiner sportlichen Liebe kam und er nun zum Saisonendspurt der abgelaufenen Saison gebraucht wurde, war es für den Routinier eine Selbstverständlichkeit, diesen Plan noch einmal zu überdenken. „Als die Anfrage von Tuspo kam, dort als Trainer zu arbeiten, musste ich nicht lange überlegen. Das war eine Möglichkeit, die ich mir nicht entgehen lassen konnte. Als dann später die Frage aufkam, ob ich nicht doch die junge Mannschaft auf dem Spielfeld als Spielertrainer führen könnte, juckte es schon ein wenig in meinen Füßen“, gesteht er.

Spielertrainer Kett-KarabiyikSpielertrainer Kett-Karabiyik immer noch für seinem Tuspo am Ball.
Foto: fussballn.de

Durch diese Doppelfunktion fällt dem ruhigen Trainer, der seiner jungen Mannschaft mit der nötigen Lockerheit entgegentritt, ihr die nötigen Freiheiten lässt, der größte Unterschied zwischen dem Spieler- beziehungsweise Trainerdasein auf. Während aus seinem Blickwinkel ein Spieler letztlich zunächst seine eigene Leistung bringen muss und somit im Kollektiv eine individuelle Sichtweise einnimmt, steht nach Meinung Kett-Karabiyiks für den Trainer noch viel mehr das ganze Team im Fokus.
Dass der Trainer Karabiyik auf einmal doch wieder ins Spielgeschehen eingriff, nahm seine Truppe äußerst positiv auf. Viele Spieler waren der Meinung in ihm den nötigen Ruhepol als Libero hinter sich zu wissen und forderten sogar seine Einsätze. Und so trug der Spielertrainer gerade in den Relegationsspielen einen nicht unerheblichen Teil zum Aufstieg bei. „Dabei war die Zielsetzung zu Saisonbeginn eine etwas Vorsichtigere. Wir wollten unter den ersten fünf Mannschaften landen und ab und an die sogenannten Großen ärgern. Als es dann aber so positiv lief, war meine Mannschaft vor lauter Ehrgeiz nicht mehr zu bremsen“, freut sich der reaktivierte Libero über den tollen Saisonverlauf.
Gerade die vielen A-Jugendspieler, die ein Jahr zuvor in ihrer letzten Jugendsaison im Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Kreisliga im Elfmeterschießen gescheitert waren, wollten mit allen Mitteln aufsteigen.

Ehrung Metin Kett-KarabiyikUrgestein Kett-Karabiyik wird Mitte der 80er Jahre für über 400 Spiele bei Tuspo Nürnberg vom damaligen Vorstand Lechner geehrt.
Foto: privat

Für Metin Kett-Karabiyik ist es nach wie vor etwas Besonderes, mit „seinen“ Jungs, die er in der Jugend betreute, aber vor allem auch mit seinem Sohn Tim, zusammen zu spielen. Gemeinsam gegen den SV Brunn im entscheidenden Relegationsspiel aufzulaufen, war für den Routinier ein absolutes Highlight. Überhaupt, auf seinen Filius angesprochen schwingt ein wenig Stolz in der Stimme des „Oldies“ mit, wenn er sagt: „Tim ist ein sehr guter Fußballer, der allerdings noch viel lernen muss. Gerade seine Defensivarbeit muss noch deutlich besser werden. Er ist ein typischer Linksfuß, technisch sehr stark – anders als ich, der als Spieler vor allem von seiner Disziplin und guten Kondition lebte. Meinen Spitznamen „die Lunge“ wird er wohl eher nicht von mir übernehmen.“  Ein Lächeln huscht auf die Lippen des ruhigen, aber sehr höflichen und freundlichen Mannes, der es mittlerweile auf über 1000 Spiele für Tuspo Nürnberg bringt. Auf die Frage, ob denn nach dieser erfolgreichen Saison für ihn als Spieler Schluss sei, antwortet der Dauer(b)renner: „Mal sehen. Wenn ein Spieler kommt, der den Libero so spielt, wie ich mir das vorstelle, habe ich kein Problem damit aufzuhören. Aber da ist im Moment noch keiner in Sicht. Außerdem macht mir das ganze wirklich noch eine Menge Spaß.“
Keine Frage, der ehrgeizige Metin Kett-Karabiyik hat noch viel vor mit seinen Jungs. Sicher wird „der Lunge“ dabei auch nicht die Puste ausgehen.