Die zwei großen Lieben

Buchs Torjäger Udo Brehm im Portrait

Der erst 23-jährige Buch-Stürmer Udo Brehm blickt auf eine äußerst turbulente Zeit zurück. Der sensible Stürmer entwickelte sich nach einem schwierigen Start in den Seniorenbereich zu einem absoluten Leistungsträger, dessen Tore ihn für seinen TSV zu einer unverzichtbaren Größe machten. In einer jungen Mannschaft ragt er, nicht nur aufgrund seiner Körpergröße, sondern vielmehr durch seinen vorbildlichen Einsatz auf und neben dem Platz heraus. fussballn.de portraitiert den jungen Mann, der zu den zentralen Spielern des Bezirksligisten TSV Buch zählt.

Udo Brehm, am 6. Mai 1986 in Nürnberg geboren, ist anders als viele junge Männer in seinem Alter. Während für viele Gleichaltrigen Partys und Feiern im Vordergrund stehen, haben sich die Interessen des 23-jährigen mit der Geburt seines Sohnes Leon vor gut einem Jahr verschoben. Nur noch selten zieht der junge Vater mit seinen Freunden nachts um die Häuser. Das Hauptaugenmerk liegt auf seiner kleinen Familie und damit zusammenhängend auch auf dem BWL-Studium, welches er zusätzlich zu seiner Ausbildung zum Medienkaufmann im Nürnberger Müller-Verlag absolviert. „Die Geburt meines Sohnes hat mich schon verändert, er ist mein Ein und Alles. Anfangs haben wir uns ganz schön Gedanken gemacht, ob wir das alles hinbekommen. Auf einmal muss man schließlich nicht nur für sich, sondern vor allem für den Nachwuchs Verantwortung übernehmen. Das war eine ziemliche mentale Belastung. Dennoch haben wir das alles sehr gut gemeistert.“ Wir, das ist für Brehm neben seinem Sohn Leon vor allem seine Ehefrau Natalie, mit der er seit Dezember 2007 verheiratet ist. Wie wichtig ihm seine Familie ist, zeigt eine ganz besondere Liebeserklärung. „Ich habe mir den Namen meines Sohnes auf die Brust tätowieren lassen. Somit trage ich ihn immer bei mir, nahe dem Herzen.“

Die glückliche Familie BrehmDer stolze Familienvater mit Frau Natalie und Sohn Leon.
Foto: privat

Dass der junge Familienvater seine zweite Liebe, das Fußballspielen beim TSV Buch nicht aufgeben musste, rechnet er zu großen Teilen seiner Natalie an: „Es ist unglaublich, wie viel sie mir abnimmt und wie sehr sie mich entlastet. Ich bin ihr so dankbar dafür.“ Auch von beiden Elternhäusern bekommt das junge Glück alle erdenkliche Unterstützung.
Und so konnte Brehm weiter mit seinen Freunden in der Bezirksliga Nord auf Punktejagd gehen. Als waschechtes Bucher Eigengewächs, seit 1990 kickt Udo Brehm ununterbrochen für die „Bucher Jungs“, spielte er dabei sämtliche Spielpositionen. Auch ein bestandenes Probetraining in der A-Jugend beim heutigen Bayernligisten FSV Erlangen-Bruck konnte ihn nicht davon überzeugen, seinem TSV den Rücken zu kehren. Angefangen als Torhüter, Schritt für Schritt über die Abwehr ins Mittelfeld gewandert, gab Brehm ab der B-Jugend den Spielmacher. Erst im Seniorenbereich wurde der technisch versierte und kopfball- sowie schussstarke Youngster zum Stürmer umgewandelt. Welche der vielen Positionen ihm am besten gefallen habe, beantwortet der heutige Mittelstürmer mit einem Schmunzeln: „Eigentlich die Rolle im offensiven Mittelfeld. Aber da spielt bei uns der Michi Hofmann – und das so überragend, dass ich keine Chance hätte. Außerdem fehlt mir dafür ein wenig die Kondition. Im Sturm fühle ich mich gut aufgehoben, kann ich dort, auch wenn man weniger Bälle bekommt, oftmals Spiele für meine Mannschaft entscheiden.“
Bereits in seinem zweiten A-Jugendjahr schnupperte er in der Rückrunde erstmals Luft im Seniorenbereich. Seine erste Saison in der Vollmannschaft beschreibt Brehm rückblickend als Lehrzeit. Unter dem damals neuen Trainer Andreas Awerkow gelangen dem hochtalentierten jungen Mann nur fünf Einsätze über 90 Minuten. Ein- beziehungsweise Auswechslungen Brehms waren der Regelfall. Der sensible Stürmer war dem Trainer Awerkow zu dieser Zeit noch nicht robust genug, um sich gegen die Abwehrrecken der gegnerischen Mannschaften durchsetzen zu können. Dann, im ersten Bezirksliga-Jahr des TSV Buch der Durchbruch. Mit satten 22 Treffern trug der ehrgeizige Angreifer zu einem hervorragenden vierten Platz des Aufsteigers bei. Viele, die dem oftmals zu nachdenklichen Stürmer in der Folgezeit einen Leistungseinbruch prophezeiten, sahen sich getäuscht. Auch in der folgenden Spielzeit war der junge Stürmer mit 21 Toren nicht minder erfolgreich, sondern bestätigte eindrucksvoll die bis dato stärkste Saison seiner noch jungen Laufbahn.

Erfolgreicher TSV-Stürmer BrehmAuf den Vormarsch: Der junge Bucher Stürmer erwies sich als zuverlässiger Torjäger.
Foto: TSV Buch

Überhaupt ist der großer Stürmer mit der Nummer neun sehr zufrieden in seiner Mannschaft: „Wir sind Freunde. Wir haben fast alle die gleichen Interessen, sind fast alle im gleichen Alter und damit verbunden verstehen wir uns einfach gut – auf und auch abseits des Grünen Rasens.“ Diese enge Verbundenheit tritt an verschiedenen Stellen deutlich hervor. So organisieren Udo Brehm und andere Spieler aus dem Verein öffentliche Veranstaltungen und Feste, wie beispielsweise Tanzbälle in der Sporthalle des TSV Buch. „Die MAMMAS“, wie sich die Organisatoren nennen, tragen somit auf ihre Weise zum Freizeitangebot in der Umgebung und auch zur Außendarstellung des Vereines einen nicht unbeträchtlichen Teil bei. Diese tiefe Verwurzelung macht den TSV Buch in Brehms Augen so einzigartig. Seine Verbundenheit zu den Rot-Weißen stellt Brehm auch offenkundig zur Schau. Genau wie ein Teil seiner Mitspieler in der Ersten Mannschaft, beispielsweise Mittelfeldmotor Michael Hofmann und Kapitän Jörg Litz, ließ sich Brehm ein zweites Tattoo stechen. „Bucher Jungs“ prangt unter einem Totenkopf auf der Haut der drei Bucher Galionsfiguren. Für Udo Brehm ein klares Bekenntnis zu seinem Heimatverein, zu seiner sportlichen Liebe. „Ich spiele seit über 19 Jahren für den TSV. Er ist für mich eine absolute Herzensangelegenheit. Dieses Tattoo soll mich immer an diese fantastische Zeit erinnern. Der Klub und die Jungs sind ein zentraler Teil meines Lebens und werden es auch immer bleiben.“

Bucher JungsDie Bucher Jungs (v.l.): Michael Hofmann, Jörg Litz und Udo Brehm.
Foto: fussballn.de

Solche Worte dürfte man seitens des TSV Buch, der seine Spieler nicht mit Geld, sondern ausschließlich mit sportlichen Argumenten überzeugt, natürlich gerne hören. Trotz guter Angebote anderer Vereine können die Knoblauchsländer somit weiter auf die Dienste ihres Stürmertalents bauen. Und der 23-jährige hat sich einiges vorgenommen: „Die abgelaufene Saison war für mich nicht zufriedenstellend. Ich bin mit meinen gezeigten Leistungen nicht zufrieden, da sie zu unkonstant waren. Außerdem ist es so, dass ich zu den jüngsten Erfolgen des TSV, dem Bezirksligaaufstieg, bei dem ich nicht über Kurzeinsätze hinaus kam, sowie dem Hallenkreismeistertitel 2008, bei dem ich verletzt ausfiel, sportlich nur einen sehr geringen Teil beitragen konnte. Es wird Zeit, dass sich das ändert“, betrachtet der Stürmer seinen persönlichen Anteil am Erfolg selbstkritisch. Und gerade diese Tatsache treibt den äußerst ehrgeizigen Mann immer weiter an. Mit Spielern, wie seinem besten Freund Jörg Litz, mit denen er seit frühester Jugend zusammenspielt, möchte er noch viele weitere Feste feiern. Udo Brehm, der Spieler, dem vor gut zwei Jahren durch den Zeitungsartikel mit dem Titel „Feinschliff eines Rohdiamanten“ bereits erste öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wurde, hat in seiner Entwicklung die nächste Stufe genommen.
Erwachsener sei er in vielen Dingen geworden. Der nachdenkliche junge Mann habe gelernt, dass er dem Fußballspielen, so ehrgeizig er und seine Mannschaftskollegen auch sind, mit der nötigen Lockerheit begegnen muss, damit er nicht verkrampft. Das Vaterwerden habe ihm in dieser Hinsicht gut getan. Seine positive Entwicklung ist auch dem Umfeld nicht verborgen geblieben, so wählten ihn seine Mitspieler zum zweiten Spielführer. Udo Brehm hat gelernt, Verantwortung zu übernehmen und dabei das wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren. „Die Geburt meines Sohnes Leon hat mir gezeigt, dass man alles meistern kann, wenn man möchte. Gleichzeitig lernt man, dass es auch noch wichtigere Dinge im Leben gibt, als nur Fußball zu spielen. Ich hoffe, dass ich durch diese Einsicht manche Fehler und Rückschläge etwas schneller abhaken kann, um mich dann wieder neu und voll zu konzentrieren.“
Allein diese Aussage charakterisiert Udo Brehm ganz hervorragend. Er ist nachdenklich – ein Grübler, äußerst ehrgeizig und erfolgshungrig, aber am meisten ist er eines: ein junger Mann mit ganz viel Herzblut.