Die Tormaschine
Geschrieben von: Michael Watzinger Dienstag, den 08. Juni 2010 um 03:09 Uhr
Torjäger Kristijan „Kiko“ Trusk im Portrait
Keine Frage, noch imposanter als seine ohnehin schon beachtliche Liste an Karrierestationen liest sich die Trefferquote des Mannes, der wie kaum ein anderer als Inbegriff des Knipsers gelten darf. Auch mit seinen mittlerweile 35 Jahren hat der Altmeister Kristijan Trusk nichts von seinem Torriecher eingebüßt – dies belegen seine 33 Treffer für den FC Bayern Kickers, die maßgeblich zum Bezirksliga-Aufstieg beitrugen und ihn an die Spitze der Kreisliga-Torschützenliste brachten. fussballn.de portraitiert den Mann, der wie kein anderer Angst und Schrecken in Strafraumnähe verbreitet.
Kurzer Anlauf, trockener Abschluss und schon zappelt der Ball im Netz. Mal mit Kraft, mal mit Effet oder aber schlitzohrig mit der Pieke – Kristijan Trusk versteht sein Handwerk, das Toreschießen, wie wohl kaum ein anderer im Raum Nürnberg/Fürth. Mit Präzision in Perfektion und Gelassenheit, tödlich für die Gegner. Kristijan Trusk, die Tormaschine.
Das letzte Jugend-Jahr bevor es zu den Erwachsenen ging. Mit dem Post SV spielte Trusk (unten, 2.v.r.) 1991 in der Bayernliga, der höchsten Spielklasse damals.
Foto: Privat
Bereits im Alter von sechs Jahren gab es für den am 8. Juli 1974 in Nürnberg geborenen Kristijan Trusk nichts anderes als eines: Tore schießen. Damals schnürte er die Fußballstiefel für den SV Laufamholz, ehe er zwei Jahre später zum großen Nachbarn Post SV wechselte und dort sämtlich Juniorenstufen durchlief. Als A-Jugendlicher wurde er dann mit 17 zu den Senioren in die Bezirksliga-Truppe hochgezogen, wo er sich auf Anhieb als Stammspieler hervortat. Dennoch konnte der Jungspund den Abstieg der Post, bei der er beispielsweise mit Mustafa Özcan (weitere Stationen u.a. 1. FCN-Amateure, Besiktas Istanbul und Grashoppers Zürich) zusammenspielte, in der Relegation gegen Uttenreuth in die Kreisliga nicht verhindern.
So wechselte der junge Stürmer zur SpVgg Erlangen, wo er im ersten Jahr einen weiteren Abstieg, diesmal von der Bezirksoberliga in die Bezirksliga mitmachen musste. Trusk, der daraufhin ursprünglich zur eben in die Landesliga aufgestiegenen SG Quelle Fürth wechseln wollte, ließ sich jedoch ("auf der Abstiegsfeier") zum Bleiben bewegen und sicherte den Erlangern mit seinen Treffern einen guten Mittelfeldplatz. Anschließend jedoch zog es den erfolgsorientierten Angreifer zum SC Feucht in die Bezirksoberliga, wo er unter Dieter Nüssing im ersten halben Jahr zwar etwas Startschwierigkeiten hatte, dann in der Rückrunde jedoch erneut maßgeblichen Anteil der Feuchter am Aufstieg in die Landesliga hatte. Dennoch verließ der Knipser Feucht nach nur einem Jahr wieder. Unüberbrückbare Differenzen sorgten dafür, dass Trusk zum TSV Ebermannstadt in die BOL unter Trainer Vanco Timov wechselte, wo er mit seinem Sturmpartner Hrvoje Koscevic, der ein ehemaliger kroatischer Profi war, ein brandgefährliches Angriffsduo bildete.
Auf Torejagd: 1995 beim TSV Ebermannstadt in der Bezirksoberliga.
Foto: Privat
Anschließend folgte der Wechsel zum TSV Neustadt/Aisch, wo er erstmals Landesligaluft schnupperte. 1997 wurde "Kiko", wie er von allen nur gerufen wird, zum Wehrdienst für zehn Monate nach Kroatien gerufen. Dort trainierte er bei einem Erstligisten mit, wo er vollends überzeugen konnte. Ein Wechsel platzte jedoch. Im Rückblick für den Deutsch-Kroaten eine verpasste Möglichkeit seinen Traum zu verwirklichen: „Natürlich war ich damals enttäuscht, dass der Wechsel im letzten Moment platzte. Ich fühlte mich dort wohl, das Niveau war hoch und ich hätte mich dort sicher hervorragend weiterentwickeln können. Im Nachhinein platzte hier wohl meine große Chance doch noch ganz nach oben zu kommen – zu diesem Zeitpunkt war ich ja bereits 25 Jahre alt.“
Wieder in Deutschland angekommen schloss sich Kiko, der seinen Spitznamen seiner Cousine Lidija noch zu Laufamholz-Zeiten verdankt, dem Bezirksoberligisten TSV Emskirchen an, wo er in der Rückrunde gegen den Abstieg ankämpfte, diesen aber verhindern konnte. Nach der Saison wollte Trusk dann weiter zur SpVgg Greuther Fürth II, allerdings ließ er sich, wie ein paar Jahre zuvor in Erlangen, doch zum Bleiben bewegen. „Ich fühlte mich dort sehr wohl. Emskirchen tat wirklich viel für seine Spieler. Man war auch überall ein gern gesehener Gast. So wollte ich dem Umfeld noch etwas zurückgeben“, erläutert der Torjäger. Unter Trainer Rudi Litz spielte Emskirchen eine tolle Saison, jedoch blieb am Ende als Tabellendritter der Aufstieg verwehrt. Nachdem Trusk im dritten Jahr gar ein Angebot des Bayernligisten Jahn Forchheim abgelehnt hatte, um weiter für Emskirchen zu spielen, wendete sich dann das Blatt. „Das dritte Jahr in Emskirchen lief nicht gut. Wir stiegen ab und es machte sich im Umfeld Unmut breit. Es war besser dann zu gehen.“
So zog der mittlerweile 27-jährige weiter zum Bezirkoberligisten SC Eltersdorf, wo er in einer Multi-Kulti-Truppe - die erste Elf bestand aus vier Deutschen und sieben Ausländern (u.a. Dedeoglu, Akel, Ciric, Vujevic), den Aufstieg in die Landesliga schaffte. „Das war ein super Jahr – auch für mich persönlich. In dieser tollen Truppe konnte man als Stürmer glänzen. So traf ich 38 Mal – nicht allzu schlecht in der Bezirksoberliga“, berichtet der Goalgetter mit einem Grinsen. Etwas wehmütig denkt er dabei aber auch an seinen inzwischen verstorbenen Trainer Apostolos Bertsos, der "sicher einer der besten Trainer" gewesen sei, den der Goalgetter auf seinen Stationen erleben durfte.
Neuzugang Trusk (u.r.) beim Bayernligisten SC 04 Schwabach mit Trainer Norbert Kettlitz (o.l.).
Foto: Privat
Mit der Torjägerkrone im Rücken trat Trusk voller Selbstvertrauen den Weg zum SC Schwabach 04 in die Bayernliga an. „Ich hatte in Schwabach keinerlei Anpassungsschwierigkeiten, das erste halbe Jahr lief für mich sehr erfolgreich. Aber natürlich sind die Gegner schon von anderem Kaliber. Wenn man gegen einen Cacau oder Stefan Reisinger spielt, ist das schon etwas Besonderes.“ Auf die tolle Hinserie folgte dann in der Rückrunde ein hartnäckiges Rückenleiden, dass ihn lange außer Gefecht setzte und letztlich zur Auflösung seines Zwei-Jahres-Vertrages nach Saisonende sorgte.
Für den SC Eltersdorf war Trusk stets ein Torgarant. So wie auf diesem Bild aus dem Jahr 2004.
Foto: Zink
So kehrte Trusk nach Eltersdorf in die Landesliga zurück, wo er zwei Jahre verweilte. Nach einer Saison beim Landesligisten FV Wendelstein erfolgte dann, für den Torjäger unüblich, der Wechsel als Spielertrainer zu KSD Croatia in die Kreisklasse. „Ich kannte viele Spieler dort, wollte dem KSD ein wenig helfen.“ Selbstredend war Trusk für den KSD goldwert, doch wie er es ausdrückt, war es zeitweise schwierig. „Beim KSD hatten wir häufig mit Disziplinproblemen kämpfen. Außerdem verließen sich manche Mitspieler doch ein wenig zu sehr auf meine Treffsicherheit, nach dem Motto: ‚Der Kiko wird’s schon richten’.“
Und Kiko richtete es eben. Wobei der KSD zu dieser Zeit eine durchaus schlagkräftige Truppe beisammen hatte, die auch beachtliche Erfolge vorweisen konnte. „Höhepunkt war ganz klar, die Deutsche Meisterschaft der kroatischen Vereine in Deutschland 2006, wo wir das Finale gegen den SD Croatia Berlin für uns entscheiden konnten und dann zur Europameisterschaft nach Göteborg fahren durften. Das war etwas wirklich Außergewöhnliches für mich und meine Kameraden“, blickt Kiko stolz zurück.
Auch beim KSD Croatia gab es für Kristijan Trusk Grund zum Feiern. 2006 konnte man die Deutsche Meisterschaft der kroatischen Vereine gewinnen.
Foto: Croatia
2008 wechselte Trusk dann zu Dergahspor in die Bezirksliga, wo er ein Jahr verweilte. Die Türken hatten zwar ebenfalls einen starken Kader, allerdings auch mit Disziplinproblemen zu kämpfen, sodass man gegen den Abstieg kämpfte, diesen Kampf aber letztlich gewann.
Als dann 2009 die Anfrage vom FC Bayern Kickers kam, in einer jungen, erfolgsorientierten Truppe in der Kreisliga zu spielen, hätte Trusk sicher nicht gedacht, dass er noch einmal so "ein grandioses Jahr" erleben durfte. "Die Kameradschaft in der Truppe ist außergewöhnlich, der Trainerstab hervorragend und die Verein sehr gut geführt", schwärmt Kiko von seinem Jahr bei den Kleinreuthern, das auch einige Erfolge mit sich bringen sollte. Mit insgesamt 33 Treffern holte er sich die Torjägerkanone der Kreisliga Nürnberg und hatte so maßgeblichen Anteil am Aufstieg in die Bezirksliga. Von Anfang an fühlte sich Trusk in dem kleinen Verein wohl und übernahm als ältester Spieler gleich eine Führungsrolle im Team von Jasmin Halilic. Als besonderes Highlight gab es bei BaKi neben dem Erfolg auf dem Feld noch eine "sensationelle Hallensaison" mit dem Gewinn der Bayerischen Futsalmeisterschaft, Vizemeister Süddeutschlands und der Teilnahme am DFB-Futsal-Cup Viertelfinale in Berlin oben drauf.
Gewohnt sicher: auch seinen zwölften Elfmeter im BaKi-Trikot verwandelte Kristijan Trusk zum 2:2 beim Entscheidungsspiel gegen Cagrispor.
Foto: Zink
Sein Elfmetertor zum 2:2 im Entscheidungsspiel um die Kreisliga-Meisterschaft vor 1200 Zuschauern wird aber vorerst das letzte Tor im Dress des FC Bayern Kickers, bei dem er kein einziges Pflichtspiel verloren hat (!), bleiben. Die Zeichen stehen auf Abschied. Nenad Taraba, sein alter Freund und langjährige Weggefährte heuerte zur Winterpause beim VfR Moorenbrunn als Spielertrainer an und lotst Trusk nun ebenfalls in den Osten Nürnbergs. Dort soll Trusk dem VfR zum Aufstieg aus der A-Klasse verhelfen. "Von der Zeit und Alter her ist das sicher ein leichteres Unterfangen als noch einmal den Trainingsaufwand für die Bezirksliga auf mich zu nehmen. Ich bin ja auch nicht mehr der jüngste", gibt Trusk Einblick zu seinem bevorstehenden Wechsel. Für Bayern Kickers sieht er indes eine gute Zukunft voraus. "BaKi wird in der Bezirksliga eine sehr gute Rolle spielen. Die Mannschaft hat sich spielerisch und taktisch enorm entwickelt", geht der Torjäger mit einem lachenden und weinenden Auge.
Mit dem FC Bayern Kickers gelang Trusk 2010 der Gewinn der Bayerischen Futsalmeisterschaft.
Foto: fussballn.de
So lang die Liste seiner Vereine auch ist, so lang ist auch die Liste seiner Erfolge: zahlreiche Aufstiege und Meisterschaften, die Deutsche Meisterschaft der Kroatischen Vereine (2006), die Bayerische Futsalmeisterschaft mit Bayern Kickers (2010), Torjägerkanonen (2x Bezirksoberliga, 1x Landesliga, 1x Kreisliga) und vieles mehr. Keine Frage, diese Erfolge kommen nicht von ungefähr: kaltschnäuzig vor dem gegnerischen Tor, mit einer begnadeten Schusstechnik gesegnet, clever im Zweikampf und vieles mehr. Vor dem Tor hat er einen Auftrag: Knipsen. Und das tut er nun mal zuverlässig wie eine Maschine. Bei der Frage wie viele Tore er in seiner Karriere geschossen habe, kommt Trusk ins Grübeln. "Im Schnitt waren es sicher um die 20 bis 25 pro Saison - da bräuchte man wohl langsam einen Taschenrechner", taxiert Kiko seine Erfolgserlebnisse über die Jahre auf knapp 500 im Herrenbereich. Ob er diese "Marke" in Moorenbrunn knacken dürfte, erscheint gar nicht so unwahrscheinlich, spielt für ihn aber auch keine große Rolle. Dem Fußball möchte er aber so lange wie möglich erhalten bleiben: "Später könnte ich mir durchaus einen Trainerjob vorstellen. Es ist vieles möglich.“
Fernab des Platzes gibt es auch einen anderen Kristijan „Kiko“ Trusk. Den umgänglichen, offenen Mann, den dreifachen Familienvater, der sich mit Ehefrau Snjezana um die drei Kinder Filip (zehn Jahre), Antonia (neun) und Anastasia (fünf) kümmert. Doch eines ist klar. Auf dem Platz kennt er kein Erbarmen.



