Der Countdown läuft
Geschrieben von: Michael Watzinger Mittwoch, den 14. April 2010 um 09:57 Uhr
Germanias Urgestein Erkan Yaldiz im Portrait
Am Ende dieser Saison wird Germanias Libero und Urgestein Erkan Yaldiz seine aktive Laufbahn beim SCG beenden, seine Schuhe an den Nagel hängen. Der Charakterkopf wird eine große Lücke im Mannschaftsgefüge der Schniegling-Elf hinterlassen. Mit fussballn.de blickt der Routinier zurück in seine bewegte Vergangenheit und auch nicht allzu fern in die Zukunft.
Der Blick von Erkan Yaldiz, am 27. Februar 1976 in Nürnberg geboren, schweift etwas ab, wenn er an das Ende der Saison denkt. „Ja, es stimmt. Nach dieser Saison ist für mich Schluss. Definitiv! Dann müssen andere ihre Knochen für Germania hinhalten“, entgegnet der zurückhaltende, stets freundliche Mann mit einem gequälten Lächeln. Keine Frage, seine letzte Runde als Aktiver hatte sich der ehrgeizige Deutsch-Türke schon etwas anders vorgestellt. „Wir wussten schon, dass es keine einfache Saison werden würde. Aber, insgeheim erhofft man sich in seiner Abschlusssaison natürlich einen gelungenen Abschied“, gesteht Yaldiz beim Blick auf die Situation seiner Mannschaft, die aktuell im Mittelfeld der Kreisklasse 4, im Niemandsland der Tabelle, angesiedelt ist.
Routinier Erkan Yaldiz in seiner letzten Saison für den SC Germania.
Foto: Zander
Yaldiz, der seit seinem sechsten Lebensjahr für den SC Germania aktiv ist, alle Juniorenstufen durchlief und auch bei den Senioren stets zu den Leistungsträgern zählte, hätte freilich einen deutlich prunkvolleren Abschluss seiner Laufbahn verdient. Viel hat Erkan in Schniegling bereits durchgemacht, ein Wort verfolgte ihn dabei besonders: Relegation. „Die Relegation scheint wohl kein gutes Pflaster für mich zu sein. Bislang ging ich in diesen speziellen Partien stets als Verlierer vom Feld.“ Ganz besonders bitter verlief dabei die Saison 2006/2007, als Erkan Yaldiz innerhalb eines Tages in zwei Entscheidungsspielen beide Male den Kürzeren zog: Zunächst hatte er mit der Ersten Mannschaft des SC Germania das Relegationsspiel gegen den FC Bayern Kickers um den letzten freien Platz in der Kreisliga zu bestreiten. Dieses Duell verloren die Kicker des SC Germania knapp mit 2:3 und stiegen so in die Kreisklasse ab. Viel Zeit Trübsal zu blasen hatte Yaldiz allerdings nicht, musste er doch als Trainer der Damenmannschaft, die der Deutsch-Türke zwei Spielzeiten lang betreute, direkt zum Aufstiegsrelegationsspiel gegen den TSV Brand fahren – auch dort gab es für den Kfz-Mechaniker und seine Damen kein Happy End, mit 1:4 blieb den Damen der Aufstieg in die Bezirksoberliga verwehrt. „Schlimmer hätte es für uns und auch für mich persönlich nun wirklich nicht laufen können. So etwas nenne ich einen rabenschwarzen Tag“, erinnert sich der Routinier an einen der schmerzhaftesten Momente seiner Karriere.
Dass es neben weiteren Relegationspleiten (2000 und 2001) auch äußerst erfolgreiche Momente im Fußballerleben des langjährigen Flügelflitzers gab, möchte der ehrgeizige Mann allerdings betont wissen. „Etwas ganz besonderes war für mich dabei sicherlich der erste Aufstieg bei den Senioren. Damals 1999 der Aufstieg in die Kreisliga mit dem SC war für mich als Eigengewächs schon fantastisch. Doch auch die Aufstiege 2005 und mit Dergahspor 2002 waren für mich eine tolle Erfahrung.“
Kurz aber erfolgreich: die einjährige Episode von Erkan Yaldiz (unten, 3.v.r.) bei Dergahspor endete mit dem Aufstieg in die Kreisliga.
Foto: privat
Dass Yaldiz seinen SC Germania überhaupt für eine Spielzeit verließ, lag an mehreren Faktoren. Zum einen kam der Wunsch nach zwei verpassten Aufstiegen mit dem Team aus Schniegling nach etwas Neuem auf, Erkans guter Freund und langjähriger Teamkamerad Serdar Dinc, kam da als Mitspieler bei Dergahspor gerade recht. Zum anderen, daraus macht Yaldiz keinen Hehl, tauchte er bei den Türken in eine völlig andere Welt ein. „Dergahspor hatte ganz andere Möglichkeiten als ich es bisher von Germania kannte“, führt er aus. „Bei meinem ersten Training sah ich jemanden auf das Tor schießen – ich dachte, das wäre ein neuer Stürmer. Dabei war es der neuverpflichtete Torhüter Turgay Karali, der aus der türkischen Profiliga zu uns gewechselt war. Da ist man, wenn man so etwas nicht kennt, schon ganz schön beeindruckt.“ Und so kam es auch, dass Dergahspor in diesem Jahr mit Yaldiz den Aufstieg in die Kreisliga packte. Kein Wunder, wie dieser meint, wurde doch alles nötige für den Erfolg getan. „Von der Ausrüstung bis hin zum kleinsten Detail wurde für alles gesorgt. Als Meister wurde uns beispielsweise eine Türkei-Reise vom Verein gesponsert.“
Dass es den eher schüchtern wirkenden Mittelfeldmann nach einem Jahr doch wieder zu seiner großen Liebe nach Schniegling zog, war für ihn dennoch recht früh klar. „Diesem Verein gehört einfach mein Herz. Die Kameradschaft und das ganze Umfeld passen einfach perfekt zu mir. Und wenn man sieht, wie sich der Verein entwickelt hat, dann ist das alles schon aller Ehren wert, schließlich hatten wir zu meiner Anfangszeit noch nicht einmal ein Vereinsheim und die Plätze haben beispielsweise auch nicht dem Verein, sondern der Stadt, gehört“, erinnert sich der Routinier zurück.
Noch bis Saisonende aktiv für seinem SC Germania am Ball: Libero Erkan Yaldiz.
Foto: Zander
Auch an ihm ist die Zeit aus fußballerischer Sicht nicht vorbeigegangen. Spielte er lange Jahre im Mittelfeld eine wichtige Rolle, zog es Yaldiz nach und nach immer weiter nach hinten, wo er heute gar den Libero gibt. „Hier versuche ich meine jüngeren Mitspieler zu organisieren - das gehört sich wohl so im Alter“, schmunzelt Erkan. Ohnehin wären die Flankenläufe mit den präzisen Hereingaben, die ihn lange Zeit auszeichneten, in den letzten Jahren immer weniger geworden. „Hinten kann ich der Mannschaft meistens noch eine gewisse Sicherheit geben und ihr so weiterhelfen“, erörtert der aktuelle Libero des SC Germania.
Dass sich Yaldiz auch außerhalb des Spielfeldes voll und ganz mit seinem Verein identifiziert, lässt sich schnell erkennen. So ist der heute 34-jährige auch außerhalb des Platzes gerne Ansprechpartner und Ratgeber seiner jüngeren Mannschaftskollegen. Und auch als Trainer und Betreuer war Yaldiz bereits aktiv. So trainierte er unter anderem neben der bereits erwähnten Damenmannschaft auch bereits für zwei Jahre die C-Jugend des Vereins.
Auch wenn Erkan Yaldiz nach dieser Saison seine Fußballschuhe an den Nagel hängen wird, ganz von der Bildfläche des SCG wird er nicht verschwinden: „In irgendeiner Form werde ich dem Verein schon erhalten bleiben. Mich komplett zurückziehen, das geht nicht. Dafür liebe ich das alles viel zu sehr“, lässt der sympathische Mann tief blicken.
Und dass der Verein um die Verdienste des ehemaligen Flankengotts weiß, lässt sich aus folgender Tatsache ablesen: am 31. Juli wird es für Erkan Yaldiz ein Abschiedsspiel geben. Dabei wird der Routinier mit seinen Freunden und langjährigen Teamgefährten gegen die dann neue Truppe des Sportclubs antreten. Auf diese Weise soll noch einmal die Wertschätzung seitens des Vereins verdeutlicht werden. Der Countdown läuft also für den Mann, der für den SC Germania über 400 Spiele absolviert hat und dabei einige wichtige Schlachten geschlagen hat.




