Die Zukunft kann kommen

Dergahspor mit neuem Personal, aber ohne Akin Bölük

Landesligist Dergahspor stellte für die Zukunft die Weichen. Nach dem schnellen, sportlichen Erfolg musste auch strukturell nachgebessert werden. Waren zu Beginn der Saison nur Vorstand Hasan Karali und Abteilungsleiter Cesur Colak hinter den Kulissen aktiv, kann man inzwischen auf 14 fleißige Helfer im Hintergrund zurückgreifen. Daneben wurden mit Fikret Akbulut, Baris Pehlivan, Markus Uyar und Talal Bazzi die Neuzugänge präsentiert, die die Abgänge von Sven Hendel, Gerson „Nana“ Aboagye, Emre Gürses, Okcan Tekdemir und Erkin Angin kompensieren sollen. Auch Torjäger Akin Bölük steht nicht mehr im Kader.

Den Anfang machte eine Portion Köfte, eine wohlschmeckende türkische Spezialität aus Hackfleisch, die es auch bei den Heimspielen Dergahspors an der Bertolt-Brecht-Schule zu verkosten gibt, ehe Vorstand Hasan Karali die anwesenden Gäste bei der Pressekonferenz im Vereinsheim am Pferdemarkt begrüßte. Dergah setzt sich übrigens aus zwei Wörtern zusammen. „Der“ steht für Tür und das „Gah“ für Stätte und bedeutet, dass es sich um einen „besonderen Ort“ handelt, bei dem die Türen immer offen stehen. Politik und Religion stehen dabei nicht auf der Agenda, sondern einzig der Sport. Dies betonen die Verantwortlichen, die gerne weitere Gesichter im Team begrüßen würden, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Das Team im Hintergrund wurde zwar von zwei auf 14 aufgestockt, was durch den rasanten sportlichen Erfolg nötig wurde. Denn man erkannte selbstkritisch, dass der Erfolg für die Strukturen im Verein zu schnell kam. „Die Struktur ist mit den Erfolgen nicht im gleichen Maß gewachsen. Da hatten wir großen Nachholbedarf. Wir würden uns aber um weitere Unterstützung freuen. Die Nationalität spielt dabei überhaupt keine Rolle“, stellte Fatih Köseoglu fest, der den neu geschaffenen Platz des Geschäftsstellenleiters und Pressesprechers bekleidet. Inzwischen haben aber Vorstand Hasan Karali und Abteilungsleiter Cesur Colak, die zu Saisonbeginn alleine für die Vereinsgeschäfte verantwortlich waren, zwölf neue Leute gefunden, um dem gestiegenen Arbeitsaufwand eines Landesligisten Rechnung zu tragen.

Dergahspor

Ein großes Team: Nachdem zu Saisonbeginn nur Vorstand Hasan Karali (5. v.l.) und Abteilungsleiter Cesur Colak (6. v.l.) im Hintergrund wirkten, sind die Aufgaben nun auf mehrere Schultern verteilt. Auch die Neuzugänge wurden vorgestellt.
Foto: fussballn.de

Nachholbedarf sieht man auch im Jugendbereich. Zwar stellt Dergahspor eine U19-, eine U17 (in Gemeinschaft mit dem VfL Nürnberg) und eine U15-Mannschaft,  doch der Ertrag für die Vollmannschaften ist noch nicht so, wie es sein sollte. Lediglich vier Spieler des Kaders entstammen aus der eigenen Jugend. Dass sich die Quote verbessert ist nun auch Aufgabe des neuen Jugendleiters Gökhan Caydere. Ein Problem, das vorerst nicht zu lösen ist, sind die unterschiedlichen Spielstätten der Jugendmannschaften. So spielt die U19 auf dem Zeppelinfeld, die U17 beim VfL Nürnberg und die U15 auf dem Gelände des SC Viktoria. Doch immerhin ist die Heimspielstätte der Vollmannschaften an der Bertolt-Brecht-Schule nicht gefährdet. Denn bei dem geplanten Abriss des Gebäudes ist der Sportplatz nicht betroffen, wie man aus Kreisen der Stadt Nürnberg zugesagt bekommen hat. Überhaupt ist man von der Zusammenarbeit mit der Stadt sehr angetan und die Kommunikation könnte nicht besser sein.

Dergahspor Akin Bölük

Auf die Dienste von Akin Bölük (links) verzichtet Dergahspor in Zukunft. Der mit elf Saisontoren beste Torschütze der Mannschaft wurde suspendiert.
Foto: fussballn.de

Sportlich konnte man natürlich mit dem vergangenen Jahr zufrieden sein. Nach der Krönung mit dem Aufstieg in der Relegation hatte man zwar nur eine kurze Vorbereitungszeit und das Mammutauftaktprogramm mit vielen Wochenspieltagen zehrte sehr an den Kräften, doch man erkannte sehr schnell, dass man konkurrenzfähig ist. „Wir haben Farbe in die Landesliga gebracht. In neun Spielen hätten wir den Platz nicht als Verlierer verlassen müssen und nur das Spiel gegen Ansbach haben wir glücklich gewonnen“, erkannte Spielertrainer Turgay Karali die Leistung seiner Mannschaft an, der trotz acht Punkten Rückstand Platz acht und damit die direkte Qualifikation zur Bayernliga noch nicht aus den Augen verloren hat. „Als ich nach Deutschland kam, bin ich mit Dergahspor sofort aufgestiegen und jetzt bin ich seit zweieinhalb Jahren wieder zurück und in dieser Zeit haben wir zwei weitere Aufstiege gefeiert. Warum sollte uns das nicht noch ein drittes Mal gelingen? Wenn es nicht direkt gelingt, dann freuen wir uns schon auf die Relegationsspiele vor vielen Zuschauern.“ Dabei nicht mehr mitwirken wird voraussichtlich Torjäger Akin Bölük, der suspendiert wurde. „Er hat in der Vorbereitung gefehlt. Wir hatten viel Geduld mit ihm und er wird uns fußballerisch auf jeden Fall fehlen, aber wenn es nicht mehr geht, dann muss man getrennte Wege gehen. Es ist sehr schade“, erklärte Turgay Karali. Man habe Bölük sogar ein Probetraining bei der U23 des 1. FC Nürnberg verschafft und ihn immer unterstützt, doch die Verantwortlichen sahen sich mit ihrer Geduld am Ende. Bölüks Vertrag ist noch nicht aufgelöst und hat noch eine Laufzeit über eineinhalb Jahre. Nun müsse die Mannschaft näher zusammenrücken, um den Verlust wettzumachen. Dabei helfen sollen auch die Neuzugänge Fikret Akbulut, Baris Pehlivan, Markus Uyar und Talal Bazzi, die offiziell vorgestellt wurden und von deren Qualität Turgay Karali überzeugt ist. Ebenfalls wieder im Kader ist Serdar Özivgen, der bislang ausschließlich als Co-Trainer an der Seitenlinie aktiv war.

So kommt Dergahspor, das sich inzwischen erfolgreichster Migrantenverein Bayerns nennen darf und im bundesweiten Vergleich unter den Top 5 liegt, optimistisch aus der Winterpause und ist heiß auf den ersten Vergleich bei der SpVgg Jahn Forchheim. Diese wiederum dürfte auf Revanche für die 0:5-Pleite aus dem Hinspiel sinnen; welcher Plan dabei aufgeht, zeigt sich am Samstag ab 14 Uhr.