Noch einmal auf die Zähne beißen

Dergahspor will am Samstag gegen Cham die Krönung eines erfolgreichen Jahres

Es war das zweifelsohne erfolgreichste, aber auch ein lehrreiches Jahr für Nürnbergs Landesliga-Aufsteiger Dergahspor. Zum Abschluss möchte die Elf von Turgay Karali am Samstag um 14 Uhr gegen den ASV Cham noch einmal alle Kräfte mobilisieren und mit einem Erfolgserlebnis in die verdiente und lang ersehnte Winterpause gehen. Davor sprachen wir mit den Dergah-Verantwortlichen über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges bei Nürnbergs Nummer zwei im Fußball.

Sieben Punkte trennten Dergahspor zur Winterpause 2010/11 zu den Aufstiegsrängen, aller Ehren wert war der fünfte Rang für den Bezirksliga-Meister zweifelsohne. Nur wenige erkannten schon damals das enorme Potential der Truppe, bei der die Verpflichtung von Cagrispor-Spielmacher Necati Güler freilich das i-Tüpfelchen einer homogenen, spielstarken Mannschaft sein sollte. Auch wenn die ersten beiden Spiele (0:2 beim neuen SV 73 Süd und 1:2 gegen Feuchtwangen) in die Hose gingen, in der Folge war Dergah kaum mehr zu stoppen. Fußballerischer Höhepunkt war vielleicht das spielerisch herausragende 4:1 am Zeppelinfeld gegen den späteren Meister SV Buckenhofen. "Wir haben uns viel vorgenommen, dafür hart im Training gearbeitet und mit der Zeit hat das Ganze eine Eigendynamik angenommen, die Jungs hatten Lust am erfolgreichen Fußball und so war der Weg für uns frei", versucht Trainer Turgay Karali den Siegeszug, der seine Elf über die Relegation in die Landesliga beförderte, zu beschreiben.

Aufstieg in die Landesliga

Der größte Tag in der Vereinsgeschichte: Dergahspor feiert nach einem 2:0-Sieg gegen den 1. FC Passau den Aufstieg in die Landesliga.
Foto: fussballn.de

Indes die Sommerpause war kurz. "Wir hatten eigentlich gar keine Pause. Nach dem Aufstieg ging es darum, sich für die neue Liga gut aufzustellen und eine entsprechende Vorbereitung im sportlichen und organisatorischen Bereich zu treffen", erinnert sich Cesur Colak, Abteilungsleiter bei Dergahspor zurück. Nicht nur die Mannschaft musste sich auf die neue Liga mit den höheren Ansprüchen anpassen, auch "das Umfeld war in einer Findungsphase, in der viel versucht wurde, aber nicht alles so einfach fiel, wie man es sich vielleicht erhofft hatte", erzählt Turgay Karali, der im sportlichen Bereich den Weggang von Akin Bölük (der während der Saison von Süd zurückkehrte) und Güler, zwei absoluten Leistungsträgern, nicht nur kompensieren musste, sondern zudem seine jungen Himmelsstürmer an die raue Landesliga-Luft gewöhnen musste.

"13 bis 14 Punkte", so können Colak und Karali heute vorrechnen, habe der Aufsteiger in seiner Landesliga-Premieren-Saison in den letzten Spielminuten bisher liegen lassen. "Am Anfang kann man da vielleicht noch von Pech sprechen, aber wenn das neun oder zehn Mal passiert, muss man eine andere Erklärung finden", sagt Karali und ergänzt: "Ich denke die Unerfahrenheit gegen cleverere Teams hat eine Rolle gespielt und je öfter einen so etwas dann passiert, desto größer wird natürlich der eigene Druck, der dann die Beine schwer macht." Die schweren Beine der Dergah-Kicker waren auch in einem anderen Zusammenhang leicht nachzuvollziehen: Nach der fehlenden Regeneration in der Sommerpause hatte der Landesliga-Spielplan gleich gnadenlose zehn Spieltage binnen eines Monats vorgesehen, zudem mussten die Nürnberger ihre Wochenspiele auswärts bestreiten.

Dergahspor vor dem Jahresabschluss

Viel Lehrgeld musste der Aufsteiger bisher in der Landesliga zahlen, nach dem Winter soll es mit neuer Kraft und ein paar neuen Kräften erfolgreich weiter gehen.
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Mit ausgeglichener Bilanz beendete Dergahspor die Vorrunde auf dem zwölften Rang, mitten drin in dem Bereich, der zu den Qualifikationsspielen zur neuen Verbandsliga genügen würde. Vier Rückrundenspiele später kam kein weiterer Punkt auf das Konto der personell auf dem Zahnfleisch gehenden Dergah-Kicker. Allerdings handelte man sich die vier Niederlagen gegen die Top-4-Teams der Liga ein. "Ich sehe das nicht so negativ. Lieber habe ich eine schwache Phase gegen die vermeintlich starken Klubs und hole dann die Punkte woanders", so Karali, den aber gerade die 1:2-Niederlage in Landshut ärgert, da sein Team dort viel mehr verdient gehabt hätte. "Es hätte zur 85. Minute 3:1 für uns stehen müssen. Wir haben das Spiel unter Kontrolle gehabt und bis dahin alles richtig gemacht. Landshut hatte gewaltigen Respekt vor uns, doch das tolle Spiel wurde am Ende nicht belohnt, weil wir wohl zu viel wollten. Doch wenn man einen Gegner beherrscht, möchte man eben auch gewinnen", will der spielende Trainer im Tor seinem Team keinen Vorwurf machen.

Überhaupt ist man trotz der vielen so spät verlorenen Zähler nicht missgestimmt bei Dergahspor. "Es war ein geniales Jahr, mit dem wir sehr zufrieden sein dürfen", erklärte Colak. "Die Mannschaft hat eine tolle Moral, zeigt Woche für Woche tollen Einsatz - und das, obwohl das Jahr für uns wirklich lang war und wir personell aktuell Riesenprobleme haben", ist Karali überzeugt, dass seine Elf auch den Rückschlag von Landshut verkraftet hat, an die gute Leistung anknüpft und am Samstag gegen Cham "mit 100% zur Sache geht". Auch wenn Mustafa Jasarevic, Mustafa Köseoglu und Roman Drescher wohl verletzt fehlen werden, Akin Achmet noch gesperrt ist und Ersoy Sezer sich mit Schulterproblemen plagt, verspricht Karali: "Wir geben Vollgas und wollen Cham schlagen, dann haben wir Zeit uns endlich auszukurieren!"

Dergah in der Halle

Inwieweit Dergahspor in der Hallenrunde mitmischt, soll im Zuge von möglichen Neuverpflichtungen entschieden werden. "Die Spieler mögen den Kick unterm Hallendach, aber nicht um jeden Preis", so Karali.
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Wie die Zielsetzung für 2012 lauten wird, wollte und konnte Karali noch nicht sagen: "Die Saison ist noch lange, wir wollen uns so gut wie möglich verkaufen. Es ist noch viel möglich!" Unter den Top acht, die sich direkt für die Verbandsliga qualifizieren, könnte sein Team auch noch landen, aber wohl nur "wenn wir entsprechende Verstärkungen bekommen." Zehn Punkte fehlen aktuell zu Rang acht, der aber nicht als Ziel schlechthin gelten soll. "Wenn alles perfekt läuft, ist es für uns möglich, aber zunächst wollen wir Cham schlagen und dann Kraft tanken", so Colak, der die Winterpause auch als strapazierter Funktionär herbeisehnt.

Inwiefern Dergahspor in der Hallen- und Futsalrunde mitmischen wird, hängt von der personellen Situation ab. "Wir haben uns da noch nicht endgültig festgelegt. Klar ist, dass ich mir keine Verluste von Stammspielern erlauben kann, aber andererseits soll es den Spielern Spaß machen in der Halle zu spielen. Wenn wir noch Verstärkungen dazu bekommen, ist vieles leichter zu handhaben. Ich bin kein Gegner der Halle, aber wichtig ist eine gute Vorbereitung und das Trainingslager, so dass wir in guter Verfassung in die Restsaison gehen können", so Karali.