Wie sich die Zeiten ändern
Geschrieben von: Marco Galuska
Vor über 30 Jahren: der Start des Türkischen FK
Sie waren die Pioniere der türkischen Fußballvereine in Nürnberg: in der Saison 1979/80 startete der Türkische FK erstmals in der C-Klasse. Über Jahre blieb der Türk Futbol Kulübü der türkische Vorzeigeklub der Region. In der Saison 2007/08 erfolgte der Rückzug aus dem Spielbetrieb. Wir machen eine Zeitreise zurück in den August 1979 als sich die Nürnberger Nachrichten mit dem ersten türkischen Fußballverein beschäftigten.
"Torschüsse gegen das Versacken" titelte die NN am 17. August 1979 in ihrem Lokalteil. Es war ein Vorbericht der besonderen Art. Am Wochenende stand das erste Meisterschaftsspiel eines türkischen Vereins in Nürnberg auf dem Programm. Weniger der sportliche Aspekt war dabei von Interesse, vielmehr ging es um die soziale Komponente. "Erstmals haben türkische Gastarbeiter versucht, ihre jungen Landsleute von der Straße und aus den Wirtshäusern auf den Sportplatz zu locken", wurde der Start des Türkischen FK im geregelten Spielbetrieb umschrieben.
Die Idee eines eigenen türkischen Sportvereins spukte schon Ende der 1960er Jahre in den Köpfen "einiger verantwortungsbewusster Türken" aber damals sei die Zeit noch nicht reif gewesen.
1977 wurde dann von Ayhan Süel und seinen Freunden eine Mannschaft ins Leben gerufen, die an Privatturnieren teilnahm. Trainer Süel, der in seiner aktiven Zeit dreimal in den Kader der türkischen Nationalmannschaft berufen wurde, konnte in seinem Verein anfangs gerade einmal 14 Aktive registrieren. Doch schon nach kurzer Zeit machte sich die Mundpropaganda bezahlt und der Türkische FK zählte 200 Mitglieder, davon 40 aktive Kicker. Genug, um den ersehnten Schritt in den geregelten Spielbetrieb zu wagen. Dennoch war den Türken schon vor dem ersten Spiel die erste Geldstrafe gewiss: Da in der Urlaubszeit ein Großteil der Spieler in der türkischen Heimat weilten, musste der TFK 20 Mark für das ausgefallene Reservespiel berappen.
Dennoch zeigte sich Süel vor dem Saisonstart optimistisch. Der Türkische FK war eine Art "türkische Stadtauswahl" mit einer guten Mischung aus Routiniers und jüngeren Spielern, die fast ausnahmslos schon in deutschen Vereinen gespielt hatten. Besonders stolz war man im Lager des TFK am DFB-Vereinspokal teilnehmen zu dürfen. Dass der Klub in der untersten Liga beginnen musste, störte niemanden. Der Hinweis der NN, dass der Türkische FK "sogar aufstiegsberechtigt" sei, mutet rückblickend skurril an.
Mitte der 1990er Jahre war der Türkische FK eine feste Größe in der Bezirksliga. Viele namhafte Spieler trugen das Trikot des FK zur Glanzzeit.
Foto: Archiv
Bemerkenswert auch, dass es seiner Zeit den Türken nicht gelang, trotz Inserate ein Vereinslokal in der Südstadt ("weil dort der Weg zum Trainingsgelände auf dem Jedermann-Sportplatz am Stadion nicht mehr weit ist") zu finden. "In den Köpfen vieler Deutscher spukt offensichtlich immer noch das negative Bild vom Türkischmann herum", wurde der schwere Stand der Vereinsgründer im Jahr 1979 beschrieben. Eine Spielstätte war dagegen schnell gefunden. Die Punktspiele wurden auf dem Platz Stadion I ausgetragen - das Sportamt hatte diese Regelung "rasch und unbürokratisch getroffen". Dass sich der Sportplatz mit einem griechischen Team (Griechischer FV Zeus) geteilt wurde, erfreute die Vorstandschaft der Türken. Vorstand Ergene Anefi betonte: "Wir wollen den leidigen, aber traditionellen griechisch-türkischen Gegensatz in einem fairen Wettbewerb auf dem grünen Rasen austragen." Ohnehin gehörte zur obersten Maximen des Vereins "politische Abstinenz und Sportlichkeit der Aktiven". Unsportlichkeiten sollten außen vor bleiben. "Wir haben viel Energie und Zeit in unser Vorhaben investiert, über den Sport unsere junge Landsleute einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung zuzuführen, die über Training und den Wettkampf hinausgehen soll", setze Vorstand auf Disziplin und eine wirksame Sozialtherapie anstelle "horrender Geldsummen".
Dass dieser Vorsatz im Laufe der Geschichte des Türkischen FK, der später jahrelang in der Bezirksliga spielte, verwässert wurde und der sportliche Erfolg mit einem finanziellen Drahtseilakt einherging, bedauern viele Anhänger des ersten türkischen Fußballvereins in Nürnberg heute. Zumindest in der ersten Saison gab sich der Türkische FK sportlich und finanziell noch bescheiden. Mit 16:40-Punkten wurde auf dem vorletzten Rang in der C-Klasse abgeschlossen.




