FCN, wir kommen!

SG Quelle Fürth 1996/97, Teil I: Der dritte Aufstieg in Folge!

In der Saison 1996 erfüllten sich die Fußballer der SG Quelle Fürth einen Traum: Der Aufstieg in die Regionalliga brachte den Amateurkickern aus Dambach zumindest eine Spielzeit von unvergesslichen Erlebnissen in einer Liga mit dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth. Nach 15 Jahren werden die Helden von damals am Samstag im Rahmen der Fürther Hallenstadtmeisterschaft im "Quelle-Allstar-Team" gegen eine "fussballn.de-Trainerauswahl" antreten. In drei Teilen blicken wir zurück auf die Zeit, als die Amateure sich mit Profis in einer Liga messen durften. Im ersten Teil behandeln wir den Relegationsaufstieg im Sommer 1996.

Die Fußball-Europameisterschaft 1996 war im Mutterland des Fußballs in vollem Gange, der vorerst letzte Titelgewinn einer DFB-Auswahl noch nicht abzusehen, da sollte am 12. Juni 1996 in Gundelfingen der große Tag für die Bayernliga-Kicker der SG Quelle Fürth kommen - der Tag, der zumindest für ein Jahr noch größere Tage bescheren würde und reine Amateure urplötzlich in die Welt des Profifußballs katapultieren sollte. Zunächst musste die Mannschaft von Dieter Lieberwirth im letzten Saisonspiel gegen den bereits feststehenden Absteiger Türk Gücü München einen Sieg einfahren, um den zweiten Rang vor dem FC Schweinfurt 05 ins Ziel zu bringen. Routinier Bernd Wirth hatte nach zehn Minuten die Führung besorgt, Kapitän Markus von Aufseß diese erhöht und auch der zwischenzeitliche Anschlusstreffer der Türken störte nur kurz, denn bereits Mitte der ersten Hälfte erzielte Patrick Frühwald mit einem sicher verwandelten Strafstoß das 3:1. Für den 4:1-Endstand vor 170 Zuschauern sorgte dann Torjäger Bernd Fuchsbauer im zweiten Durchgang. Die Teilnahme an der Aufstiegs-Relegation zur Regionalliga war gesichert.

Quelle Aufstieg in die Regionalliga

Drei Aufstiege hintereinander gelangen Trainer Dieter "Yogi" Lieberwirth (hier beim Relegationsspiel in Gundelfingen) mit der SG Quelle Fürth.
Foto: privat

So wirklich zugetraut hatte man den Versandhaus-Kickern den Aufstieg in die Regionalliga aber dennoch nicht. Schließlich galt es vor dem Traum, mit dem gerade erst in die Niederungen der Regionalliga abgestiegenen 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth in einer Liga um Punkte zu spielen, erst noch in zwei Relegationsspielen siegreich zu sein, wobei allein schon die Namen der Kontrahenten die Fürther in die Außenseiterrolle drängten. Am Freitag, den 7. Juni 1996, ging es begleitet von vier Fanbussen nach Schweinfurt, wo mit Viktoria Aschaffenburg der hessische Vizemeister mit seinem brandgefährlichen Sturmduo Romeo Wendler und Jochen Seitz (letzterer wechselte nach der Saison in die Bundesliga) wartete. Doch die routinierte Quelle-Abwehr um Libero Wolfgang Köhler und den Manndeckern Harry Böhm und Stefan Richter ließ selten etwas anbrennen. Unbeeindruckt von den Vorschusslorbeeren für den Gegner gingen die Fürther in die Partie. Markus von Aufseß scheiterte zunächst an der Latte, kurz darauf stand Marcus Thiem nach einem Zusammenstoß von Bernd Fuchsbauer mit Aschaffenburgs Keeper goldrichtig und schob zur Führung ein. Nach der Pause war die Viktoria klar am Drücker, Libero Biehrer glich aus und mit einer Portion Glück konnte die Quelle das 1:1 in die Verlängerung retten. Dort zollten die Akteure der Hitze Tribut und schleppten sich ins Elfmeterschießen. Hier trafen Patrick Frühwald, Thiem, von Aufseß und Fuchsbauer, während nur Wendler für die Viktoria Torhüter Joachim "Jojo" Müller überwinden konnte. "Das Fußballwunder kann noch gelingen", hieß es nach dem 5:2-Sieg im Elfmeterschießen in der Presse weiter zweifelnd.

Mitfiebern am SpielfeldrandAn Spannung kaum zu überbieten waren die beiden Relegationsspiele zur Regionalliga. Routinier Bernd Wirth (links) fieberte nach seiner Auswechslung mit.
Foto: privat

Somit hatte sich die SG Quelle Fürth ein Endspiel zur Regionalliga beschert. Zunächst war Regeneration angesagt. Froh war man zudem, dass Klaus Scheidig aus dem Urlaub zurückgekehrt war und Coach Lieberwirth somit "alle Mann an Bord" hatte für das große Spiel. Es war Mittwoch, der 12. Juni 1996, der Gegner kein Geringerer als die Amateure des VfB Stuttgart. "Wenn sie eine Übermannschaften wären, dann wären sie Meister geworden und direkt aufgestiegen", wollte Quelle-Fußballabteilungsleiter Friedhelm Schlieper nicht in Ehrfurcht erstarren, gab aber zu bedenken: "Wir wissen aber nicht, wen die jetzt noch aus den Ärmeln schütteln." Einige Namen, die im erweiterten Profikader des VfB standen und später noch eine Profkarriere erleben sollten, liefen tatsächlich bei den Stuttgartern auf: Abdelaziz Ahanfouf, Kai Oswald, Jochen Endreß oder Keeper Simon Henzler.

Quelle Aufstieg in die Regionalliga

"FCN wir kommen, SG Quelle", stand auf dem Transparent, das Klaus Scheidig (links) und Patrick Frühwald (Mitte) nach dem Sieg im entscheidenden Spiel gegen die Amateure des VfB Stuttgart präsentieren durften.
Foto: privat

Es entwickelte sich eine rassige Partie in Gundelfingen, die vorverlegt wurde, da das Stadion keine Flutlichtanlage besaß. Rund 800 Zuschauer sahen eine von Libero Wolfgang Köhler überragend organisierte Quelle-Defensive, die kaum Torchancen zuließ. Verdientermaßen torlos wurden die Seiten gewechselt. Aus der Kabine kam der VfB mit mehr Schwung, einen Ahanfouf-Schuss parierte Keeper Müller glänzend, doch in der 65. Minute war er nach einem Kopfball von Sascha Maier geschlagen. Mit dem Ende aller Träume wollten sich die Fürther nicht abfinden und kamen nur zwei Minuten später zum 1:1-Ausgleich durch Marcus Thiem. Als dann Stuttgarts Libero Frank Posch nach einem Foulspiel an Bernd Fuchsbauer mit der Ampelkarte des Feldes verwiesen wurde, packten die Fürther die Chance am Schopfe. Einen weiten Ball von Köhler von der Mittellinie aus köpfte Daniel Ernemann ins Tor. Diese Führung hielt auch die restlichen 16 Minuten plus fünf Minuten Nachspielzeit und danach war der Jubel über das vollbracht Fußball-Märchen riesengroß.

Quelle Aufstieg in die Regionalliga

Fast schon etwas trotzig titelten die eigenen Vereinsnachrichten nach dem Sensationscoup der Quelle-Kicker...

"Vor vier Jahren waren wir noch in der Bezirksoberliga, der Club in der Bundesliga. Jetzt sind wir beieinander", konnte Trainer Lieberwirth sein Glück kaum fassen. "Damit hätte ich nie und nimmer gerechnet", sagte Routinier Jörg Tauchmann, der als einziger das Team verließ (zum ASV Neumarkt), nach der Partie. VfB-Koordinator Rainer Adrion sah "die Angst vor der Regionalliga" bei seinen Spielern. Diese teilte Schlieper nicht: "Wir freuen uns auf das, was kommt. Die Truppe hat sich den Erfolg wahrlich verdient."

Im Spiel gegen den VfB Stuttgart trat die SG Quelle Fürth mit folgender Aufstellung an (fett die Spieler, die am Samstag voraussichtlich im All-Star-Team um 16 Uhr in der Halle an der Coubertinstraße gegen das fussballn.de-Trainerteam auflaufen werden!): Joachim Müller, Wolfgang Köhler, Stefan Richter, Harald Böhm (73. Volkmar Wolfram), Markus von Aufseß, Daniel Ernemann, Patrick Frühwald, Bernd Wirth (65. Klaus Scheidig), Marcus Thiem, Michael Schrenk (80. Jörg Tauchmann), Bernd Fuchsbauer.

Lesen Sie im II. Teil, wie es der SG Quelle Fürth nach dem märchenhaften Aufstieg in die Regionalliga in der Saison 1996/97 erging.