Im Wandel der Zeit
Geschrieben von: Michael Watzinger / MG
Croatias Rückkehr nach einer Dekade - der Blick auf die A-Klasse Mitte 1999/2000
Der KSD Croatia kehrte nach zehn Jahren Kreisklasse in die A-Klasse zurück, doch innerhalb dieser Zeit hat sich einiges getan. Grund genug den Werdegang des KSD und seiner damaligen Konkurrenten einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Welcher der damaligen Konkurrenten hat den steilsten Aufstieg geschafft? Gab es Teams, die auf der Stelle getreten sind? Und existieren überhaupt noch alle Vereine? fussballn.de blickt zurück auf die Entwicklung der Teams, die zur Jahrtausendwende in der A-Klasse Mitte kickten.
Blickt man auf die A-Klassen-Tabelle der Gruppe Mitte in der Saison 1999/2000, so fallen einem viele Vereine ins Auge, die so heute nicht mehr existieren. Aus der ehemaligen 13er-Gruppe sind mit dem KSD Croatia, dem SV Weiherhof II, ESV Rangierbahnhof II und dem SSV Elektra lediglich vier Mannschaften noch aktuell im BFV-Spielbetrieb vertreten. Während der KSD Croatia durch den ersten Platz im Spieljahr 1999/2000 den Aufstieg in die Kreisklasse Mitte feiern und sich dort eine Dekade lang halten konnte, ehe der Abstieg in der Saison 2009/10 folgte, liefen die zehn Jahre beim Rest des Feldes äußerst unterschiedlich ab.
Die Weiherhofer Reserve stieg damals mit dem KSD Croatia gemeinsam in die Kreisklasse auf. Anders als bei den Kroaten, die in den folgenden Jahren immer einen beachtlichen Platz im gesicherten Mittelfeld innehatten, ging der Weg für den SVW II allerdings gleich wieder nach unten – dem unverhofften Aufstieg folgte nur ein Jahr später der unschöne Abstieg zurück in die A-Klasse. Heute findet sich die Erste Mannschaft des SV Weiherhof in genau dieser Region wieder, vorbei sind die tollen Jahre, in denen der SVW gar in der Bezirksliga auf Punktejagd ging. Nach Jahren der Konsolidierung möchte man in Weiherhof wieder ein wenig an bessere Zeiten anknüpfen und vielleicht sogar den Aufstieg in die Kreisklasse realisieren. Aktuell liegen die Schützlinge von Stefan Fechner im Verfolgerfeld des Spitzenduos der A-Klasse 9.
Dem SSV Elektra gelang in der Folgesaison zwar ebenfalls der Aufstieg in die Kreisklasse, dort konnte sich die Mannschaft, die ihre Spiele nach wie vor am Fuchsloch austrägt, jedoch nicht behaupten und stieg wieder in die A-Klasse ab. Lange Zeit im unteren Drittel der Tabelle dümpelnd, hat sich der Straßenbahn-Sportverein Elektra, der 1925 von 34 Straßenbahnern unter dem Namen „Turn- und Sportverein der Nürnberg-Fürther Straßenbahn“ gegründet wurde, nun zu einem soliden A-Klassen-Team gemausert, das in der Saison 2009/10 den Aufstieg in die Kreisklasse nur knapp verpasste. Aktuell konnte sich Elektra nach schwachem Beginn wieder in das obere Tabellendrittel vorpirschen.
Der ESV Rangierbahnhof II verschwand zwischenzeitlich von der Bildfläche des aufstiegsberechtigten Spielbetriebs. Ursprünglich war es den Rangers gar nicht recht, dass sie nicht mehr in der Reserverunde spielen durften, doch in den 90er-Jahren war die ESV-Zweite als Unterbau für die hochklassig agierende Erste Mannschaft im Spielbetrieb gut etabliert. Nach den Abstiegen der Ersten Mannschaft wurde die zweite Garnitur wieder in die Reserverunde der Kreisliga rückgeführt. In der Saison 2007/08 folgte dann das erste Comeback des ESV Rangierbahnhof II in der A-Klasse 7, wo ein 10. Rang erreicht wurde. In den folgenden beiden Spielzeiten kickten die Rangers mit ihrer Zweiten Mannschaft in der Reserverunde der Kreisklasse. Durch die Einführung der B-Klassen kehrte der ESV mit seiner Zweiten in den aufstiegsberechtigten Spielbetrieb zurück. In der B-Klasse 8 gehören die Rangers zur Spitzengruppe.
Die Abschluss-Tabelle der A-Klasse Mitte in der Spielzeit 1999/2000: nur noch vier Mannschaften von damals (fett markiert) spielen noch im BFV-Punktspielbetrieb.Pl. Verein Spiele Tore Punkte 1. KSD Croatia
24
76 : 23
60
2.
SV Weiherhof II
24
70 : 31
54
3. UD Portuguesa 24 73 : 34 50 4. KFK Obilic 24 69 : 38 47 5. SC Leopard 24 59 : 37 42 6. Makedonija 24 53 : 55 38 7.
ESV Rangierbahnhof II
24
79 : 54
34
8.
SSV Elektra
24
54 : 39
32
9. Türkischer FK II 24 56 : 66 29 10. Dersimspor 24 44 : 90 21 11. FV Portuguesa 24 33 : 67 19 12. Griechischer SV Fürth 24 24 : 69 8 13. Centro Espanol 24 30 : 117 6
Andere Vereine sind dagegen von der Fußballlandkarte des Kreises Nürnberg/Frankenhöhe längst verschwunden. Die beiden portugiesischen Teams UD und FV Portuguesa sind inzwischen Geschichte. Beide Mannschaften schafften den Sprung in die Kreisklasse auch in der Folge nicht, jedoch war zumindest der UD Portuguesa lange Zeit in den oberen Tabellenregionen anzutreffen, ehe im Jahre 2006 der Zusammenschluss zum FVA Portuguesa erfolgte. In der abgelaufenen Spielzeit zog der FVA seine Mannschaft dann allerdings aus dem laufenden Spielbetrieb zurück.
Ähnlich verliefen die Wege von Centro Espanol und des KFK Obilic. Beide Mannschaften waren eher in den unteren Gefilden der A-Klasse zu Hause. Als erste Mannschaft zog dann Obilic, das damals gerade mit 23 Punkten aus der Kreisklasse in die A-Klasse Mitte abgestiegen war, in der Saison 2002/2003 seine Mannschaft zurück. Dennoch bleibt das brisante Derby des KFK Obilic in der Saison 1999/2000 mit dem KSD Croatia allen Beteiligten in bester Erinnerung. Mit 1:1 trennten sich am 2.4.2000 die Serben und Kroaten vor 850 zahlenden (!) Zuschauern am Sigena-Platz, Croatia-Torjäger Japec rettete mit einem späten Treffer dem Meister das Unentschieden. Nur zwei Jahre später als Obilic, das der Nachfolgeverein von Mladost war und nach einem serbischen Nationalhelden benannt wurde, konnte auch Centro Espanol, jahrzehntelang treuer Stammgast der untersten Spielklasse, keine Mannschaft mehr an den Start bringen.
Das gleiche Schicksal ereilte auch Makedonija, Dersimspor und den Griechischen SV Fürth, die nach und nach von der Bildfläche verschwanden. Während Makedonija zumindest noch bis 2005 am Punktspielbetrieb teilnahm, waren die anderen drei Vereine nur noch kurze Zeit vertreten.
Der Niedergang der Ersten Mannschaft des Türkischen FK hatte natürlich auch Folgen für die Reserve. Einst das Aushängeschild unter den türkischen Vereinen, bestimmten in den letzten Jahren des Bestehens eher die negativen Schlagzeilen um den einst so erfolgreichen Verein das Geschehen. Der Türkische FK II spielte zwar noch einige Zeit, genauer gesagt bis zur Saison 2005/2006, in der A-Klasse, jedoch erinnerte da nur noch wenig an die glorreicher Vergangenheit des einstigen Bezirksligisten.
Das ist schon mal einen Freudentanz wert: der SC Türk Genc konnte sich als Nachfolgeverein des SC Leopard inzwischen im Spielbetrieb bestens etablieren und gehört aktuell zu einem der Spitzenteams der Kreisklasse.
Foto: Staiger
Eine wirklich positive Entwicklung nahm dagegen der SC Leopard - genauer gesagt, dessen Nachfolgeverein. Ursprünglich war die Fußballabteilung nur eine Art "Experiment" des etablierten Kampfsportvereins SC Leopard. Doch die Fußballer entwickelten eine erfolgreiche Eigendynamik und im Jahr 2001 sollte die Abspaltung zu einem eigenen Verein erfolgen. Die Umstrukturierung zum SC Türk Genc erfolgte nach der Saison 2000/01 unter Vorstand Ibrahim Gökalp und Spielertrainer Mahmut Bulut. Noch heute ist Gökalp Vorstand bei Türk Genc. Nach dem erneuten Aufstieg über die Relegation im Jahr 2007 konnte sich der Verein in der Kreisklasse inzwischen gut etablieren und sich stets fern von den Abstiegsrängen halten. In der laufenden Saison gehört das Team, das inzwischen von Mustafa Yakar gecoacht wird, zu den Spitzenmannschaften der Kreisklasse 4.
Der KSD Croatia kehrte nun also in die A-Klasse zurück. Viel von der damaligen Zeit ist allerdings nicht mehr übrig geblieben. Eine Dekade hat unverkennbar Spuren bei vielen Vereinen hinterlassen. Doch so ist es ja häufig im Wandel der Zeit...




