Aufstiege und ein großer Knall

Serie "Der FC Azzurri": Teil II - die goldene Generation

Fünf Jahre war der FC Azzurri von der Bildfläche der BFV-Spielrunde verschwunden. Nun startet eine neu formierte Truppe mit zum Teil alt bekannten Gesichtern unter dem Namen „SV 73 Süd III/FC Azzurri“ in der B-Klasse 8. In drei Teilen blicken wir auf die Generationen der Italiener im Nürnberger Fußball. Im 2. Teil beleuchten wir das goldene Jahrzehnt der Azzurris mit dem Durchmarsch in die Bezirksliga bis zum Rückzug im Jahr 2005.

Lange hielt die Euphorie im Lager der Italiener über den erstmaligen Aufstieg 1990/91 nicht an. Schon in der folgenden Saison stieg man sang- und klanglos (5:47-Punkte) wieder ab, die Aufstiegsmannschaft war nach Unstimmigkeiten mit der Vereinsführung in alle Winde zerstreut, die jungen Talente suchten die sportliche Herausforderung in höheren Klassen. Azzurri war wieder in der C-Klasse gelandet. Überhaupt stand es in der Saison 1992/93 nicht sonderlich gut um die italienischen Fußballklubs in der Region. Der FV 1973 Italsud zog seine Mannschaft zurück, der FC Azzurri schloss auf dem letzten Platz in der C-Klasse Mitte ab und CC Italia sollte im folgenden Jahr den Spielbetrieb aufgeben, während Azzurri mit 4:40-Punkten die Rote Laterne gerade noch an Centro Espanol weiterreichen konnte.

Es musste wohl ein neuer Tiefpunkt her, um 1994 Anlauf für die große sportliche Erfolgsgeschichte des FC Azzurri zu nehmen. Die Freundschaften und Verbindungen der jungen, talentierten italienischen Kicker hielten über all die Jahre an und so war es eine Frage der Zeit, ehe man wieder vereint in einer Mannschaft spielen sollte. Die Rückkehr der Leistungsträger machte sich in der Tabelle deutlich bemerkbar. Mit 39:9-Punkten schloss der FC Azzurri in der C-Klasse Ost 1994/95 unter Trainer Walter Wolf erstmals als Meister (vor dem FC Kalchreuth) ab. Die Heimspiele wurden damals am Stadionnebenplatz ausgetragen.

Azzurri Mitte der 90er Jahre

Die Azzurri-Elf Mitte der 90er-Jahre unter Trainer Walter Wolf (oben 3. v. r.): Orlando Scigliuzzo (oben rechts), Franco Valentini (unten links) und Giuseppe Rosapepe (unten rechts) freuten sich mit den erfolgreichen Kickern. Noch heute sind Giovanni Selce (oben 4. v.l.), Gaetano Federico (oben 5. v. l.), Sandro Selce (oben 7. v. l.), Giovanni Pilloni (oben 10. v. l.) und Marco Princiotto (unten 2. v. r.) für den FC Azzurri am Ball. Foto: Archiv

Nach dem Aufstieg sollten die Italiener auch in der B-Klasse Ost zunächst eine gute Rolle spielen. Mit Rang vier gelang es der jungen Truppe, sich auf Anhieb gleich in der Spitzengruppe zu etablieren. Im darauf folgenden Jahr 1996/97 konnte man den Abgang von einigen Leistungsträgern, wie z.B. den Selce-Brüder (Giovanni spielte beim ESV Rangierbahnhof in der Landesliga, Sandro beim TSV Neunkirchen in der BOL) nicht richtig kompensieren, der Abstieg schien zur Winterpause bereits besiegelt. Als Giovanni Pilloni und Sandro Selce in der Rückrunde zurückkamen, wurden zwar noch einige Punkte geholt, der Klassenerhalt letztlich aber nicht mehr geschafft.

Doch anders als beim Abstieg 1992 blieb fünf Jahre später zumindest das Grundgerüst der Mannschaft zusammen - beispielsweise spielten die Princiotto-Brüder Franco und Marco durchgehend für die Azzurris. Die Initialzündung für den dritten Aufstieg aus der untersten Spielklasse sollte noch ein anderer Umstand bewirken: Giovanni Selce hatte sich beim Landesliga-Spiel des ESV Rangierbahnhof das Kreuzband gerissen und war vorerst als aktiver Spieler außer Gefecht gesetzt. Doch das hielt Selce nicht ab, weiterhin den Weg zum Fußballplatz zu suchen. So fehlte nicht mehr viel und die Idee des Spielertrainer Giovanni Selce war geboren.

"Durch Arbeit ans Ziel", war das Motto von Giovanni Selce, der seiner Mannschaft eine ordentliche Portion Disziplin, aber auch Spaß am Fußball vermitteln konnte. Das Rezept ging so gut auf, dass 1997/98 der direkte Wiederaufstieg in die neu benannte Kreisklasse Ost gelang. Doch die Fehler der Azzurri-Teams der Vergangenheit wollte Selce nach dem Erfolg nicht erneut begehen. Mit klaren Regeln und konzentrierter Arbeit, trotz aller Freundschaften und Geselligkeit, gelang es dem kahlköpfigen Coach eine Truppe zu formen, die in einem ersten Schritt das Ziel Klassenerhalt (1998/99) schaffte und im folgenden Jahr sogar zur Spitzengruppe gehörte. Mit 63 Punkten lagen die Italiener 1999/2000 auf dem undankbaren dritten Rang nur einen Zähler hinter dem ASC Boxdorf und dem Post SV.

Aufstieg in die Kreisliga

Forza Azzurri! Im Relegationsspiel auf dem Platz des TB Johannis 88 bezwangen die Italiener um Spielertrainer Giovanni Selce (r.) im Jahr 2001 den Kreisligisten Dergahspor nach Verlängerung mit 2:1 und durften ausgelassen den erstmaligen Aufstieg in die höchste Spielklasse des Kreises Nürnberg/Fürth feiern. Foto: Archiv

Die Enttäuschung über den knapp verpassten Aufstieg hielt sich in Grenzen, war die rasante, aber kontinuierliche Entwicklung der Selce-Truppe doch noch nicht abgeschlossen. Der Aufschwung und die gute Arbeit bei den Azzurris sprachen sich herum. So kamen echte Verstärkungen wie z.B. Gerhard Niemersheim, der in der Jugend des FC Bayern und dann bei der SpVgg Fürth kickte, hinzu. Das große Plus sollte die Kameradschaft in der Mannschaft von Giovanni Selce werden. Bruder Sandro Selce kickte natürlich aktiv mit und sorgte aber auch als Inhaber des KonTiki gemeinsam mit Luca Fratoni dafür, dass aus dem FC Azzurri ein eingeschworener Haufen wurde. "Wir waren wie ein Dorfverein - nur eben in der Stadt", erinnert sich Sandro Selce an die enge Bindung innerhalb der Mannschaft, die zur Jahrtausendwende einen nächsten Höhepunkt erreichen sollte. Mit Disziplin, Teamgeist und fußballerischer Klasse konnten die Italiener im Folgejahr ihren Aufwärtstrend fortsetzen und beendeten das Spieljahr 2000/01 als Vizemeister hinter dem ASC Boxdorf. In der Relegation gelang der Selce-Truppe durch einen 2:1-Sieg über Dergahspor nach Verlängerung (Torschützen: Boris Mandosi und Gerhard Niemersheim) der Aufstieg in die Kreisliga.

Damit aber nicht genug. So richtig durchstarten sollte der FC Azzurri im anschließenden Jahr 2002. Mit 65 Punkten gelang den Italienern vor dem Türkischen FK (64) und dem TSV Burgfarrnbach (63) der Durchmarsch in die Bezirksliga. "Wir konnten uns recht schnell retten und kamen trotz unseres kleinen Kaders nie in die Abstiegsregion. Der Zusammenhalt war einmalig und jeder wusste, was er zu tun hatte und keiner durfte den anderen hängen lassen", erinnert sich Defensivmann Maurizio Scigliuzzo, der erst in der Bezirksliga zu den "Blauen" kam. Doch das Abenteuer Bezirksliga sollte noch seine Schattenseite für die Azzurri bereit halten.

Azzurri sorgte für Schlagzeilen

Die Erfolgsgeschichte der Azzurris ging weiter. Als Meister der Kreisliga Nürnberg/Fürth gelang in der Saison 2001/02 der Durchmarsch in die Bezirksliga. Der Türkische FK und der TSV Burgfarrnbach landeten knapp dahinter. Foto: Archiv

Der kometenhafte Aufstieg, der auch durch die Presse ging, zog Personen an, "die sich mit dem Erfolg brüsten wollten", wie sich Sandro Selce erinnert. Auf der Erfolgswelle wollten neu hinzugekommene Leute nicht nur schwimmen, sondern auch das Sagen haben. Neue Vorstände und neue Versprechungen kamen. Hinzu wurden Spieler geholt, die zwar qualitativ gut waren, jedoch nicht in das frühere Konzept "Freunde auf und neben dem Platz" passten. So war die Stimmung in der Mannschaft in der zweiten Bezirksligasaison schnell vergiftet. Der Prophet bzw. diejenigen, die maßgeblichen Anteil am Aufstieg der vorherigen Jahre hatten, zählte im neuen "Azzurri-Land" nicht mehr viel.

Giovanni Selce trat als Spielertrainer zurück (für ihn kam Aleksandar Abutovic) und stand nur noch als Antreiber im Mittelfeld zur Verfügung. Zudem hatte sich der Stamm der so erfolgreichen Truppe innerlich bereits abgewendet. "Wir spielten das Jahr zwar noch zu Ende, aber es stand schnell fest, dass der Kern der Mannschaft nicht länger bleiben wird", blickt Scigliuzzo wehmütig zurück.

Auch das als Trikotsponsor bekannte KonTiki zog sich konsequent zurück. "Wir haben uns immer als Gönner des Teams gesehen, allerdings nicht als Sponsor, der Spieler kauft oder Söldner unterstützt", distanzierte sich Sandro Selce entschieden gegen die neuen Strukturen beim Bezirksligisten. Doch das "Söldnertum" fand bei Azzurri ein rasches Ende. Nachdem der Kern der Truppe und auch das langjährige Umfeld "hinausgeekelt" (so Selce) wurden, ging es mit dem FC Azzurri steil bergab. Der Bezirksliga-Abstieg war ohnehin schnell besiegelt und die Kreisliga-Saison 2004/05 erlebten die Italiener nur noch bis zur Winterpause - dann war vorerst Schluss für den FC Azzurri in der BFV-Runde.

Alles über die Jahre nach dem Ausstieg aus dem BFV-Spielbetrieb und dem Neuaufbau der dritten Generation der Azzurris und lesen Sie im dritten und letzten Teil - morgen auf fussballn.de!