C-Klassen-Abo und ein großer Traum
Geschrieben von: Marco Galuska
Serie "Der FC Azzurri": Teil I - die Gründungsväter
Fünf Jahre war der FC Azzurri von der Bildfläche der BFV-Spielrunde verschwunden. Nun startet eine neu formierte Truppe mit zum Teil alt bekannten Gesichtern unter dem Namen „SV 73 Süd III/FC Azzurri“ in der B-Klasse 8. In drei Teilen blicken wir auf die Generationen der Azzurris im Nürnberger Fußball. Heute gehen wir zurück in die Gründungsjahre, als die italienischen Gastarbeiter erstmal eine eigene Fußballmannschaft auf die Beine stellten und der sportliche Erfolg noch auf sich warten ließ.
1955 unterzeichnete die Bundesregierung das „Anwerbeabkommen“ mit Italien, es war der erste Staat, mit dem ein solches Abkommen geschlossen wurde – Spanien und Griechenland folgten 1960, das Abkommen mit der Türkei wurde 1961 geschlossen. Die Italiener waren also in der Vorreiterrolle unter den sogenannten „Gastarbeitern“. Auch die erste „Gastarbeitermannschaft“ im BFV-Spielbetrieb des Kreises Nürnberg/Fürth war italienisch. Doch erschien die Zeit in der Saison 1962/63 noch nicht reif, so dass sich die „DJK Italia Nürnberg“ (31:133-Tore, 4:48-Punkte) nach nur einem Jahr wieder aus der BFV-Runde zurückzog. 1965/66 ging mit Centro Espanol erneut eine Truppe von Gastarbeitern an den Start, die sich über Jahrzehnte (mit Unterbrechungen) im Spielbetrieb etablieren sollte.

Die Azzurri-Elf in den Anfangsjahren. Im Tor Giuseppe Mario Selce (oben links), Vater von Giovanni und Sandro, die in späteren Jahren noch für Furore im Amateurfußball sorgen sollten. Unverkennbar die Häuser am Krugsportplatz im Hintergrund. nicht nur die Trikots, Bälle und Frisuren haben sich geändert auch der Platz der DJK Bayern am Pegnitzgrund ist längst kein "Acker" mehr. Foto: Archiv
In der Saison 1967/68 startete der Club Italia Nürnberg, beendete aber sein Engagement nach nur einem Jahr wieder. So dauerte es bis in die Saison 1974/75, ehe nach dem Motto „Aller guten Dinge sind drei“ ein neuer Anlauf gestartet wurde und wieder italienische Mannschaften an den Start gehen sollten. In der C-Klasse 1 startete „Italsud Fürth“ (auch der Griechische SV Fürth spielte in dieser Liga), in der C-Klasse 2 ging der FC Azzurri Nürnberg ins Rennen und beendete die Premierensaison als Vorletzter vor das ebenfalls neu gestartete „Espanol Tilly“. Doch vom sportlichen Misserfolg der Anfangsjahre ließen sich die Azzurris nicht mehr abhalten, es entwickelte sich ein Verein, der stolze 30 Jahre ohne Unterbrechung in der BFV-Runde vertreten sein sollte.
Jahrelang hütete Giuseppe Mario Selce das Tor des FC Azzurri.
Foto: fussballn.de
Es war die erste Generation, die freilich sportlich keine bedeutende Rolle im Kreis Nürnberg/Fürth spielen sollte, allerdings beim eigenen Nachwuchs durchaus Begeisterung auslöste. Nicht nur der Verein FC Azzurri lernte Mitte der 1970er-Jahre sprichwörtlich laufen, auch die Kinder der kickenden Väter tummelten sich Sonntag für Sonntag am Spielfeldrand, wenn der Papa am Krugsportplatz auf dem Gelände der DJK Bayern seine Heimspiele austrug. Schnell war die Begeisterung für den Fußballsport auch bei den Kindern entflammt, eine eigene Jugendmannschaft gab es aber nicht. So erlernte die 2. Generation der italienisch-fränkischen Fußballer den Umgang mit dem Ball auf der Straße und in deutschen Jugendmannschaften wie z.B. ESV Rangierbahnhof, SV 73 Süd oder ATV Nürnberg. „Wir waren in der Jugend recht erfolgreich, haben höherklassig gespielt und manche von uns haben es gar bis in die Bayern-Auswahl gebracht“, erinnert sich Sandro Selce an die eigene fußballerische Ausbildung oder die seines Bruders Giovanni. Am Sonntag machten es einige talentierte, fußballverrückte Jungkicker den Selces gleich und schauten ihren Vätern - Giuseppe Mario Selce hütete beim FC Azzurri seinerzeit das FCA-Tor - zu.

Der FC Azzurri in der 1. Generation (ca. 1975): Policiano, Costanini, F. Marcino, Aitiello, Luigi, Enzo (oben von links). Vergari, A. Pilloni, M. Selce, C. Marcino, Camisuli, Marco, G. Pilloni (unten von links). Foto: Archiv
Auch wenn die sportlichen Erfolge lange ausblieben – erst in der Saison 1982/83 konnten die Azzurris in der Endabrechnung den 4. Platz und erstmals eine positive Bilanz (25:19-Punkte) in der C-Klasse aufweisen – reifte im Umfeld der Italiener der Traum, einmal mit dem FC Azzurri den Aufstieg zu schaffen, doch dies sollte noch eine Zeit dauern. Genauer gesagt eine ganze Generation. Zwischen Rang neun und 14 beendete der FC Azzurri die Spieljahre in den 1970er- und 1980er-Jahren. Sandro Selce erinnert sich noch an die „wilden“ Spiele der 1. Generation des FC Azzurri: „Da wurden selten Spiele zu elft zu Ende gespielt.“ Dennoch, die Liebe zum Fußball und zum Heimatland war den Gründern des Klubs nicht abzusprechen und so wurden auch Schwierigkeiten und sportliche Rückschläge gemeistert und die Mannschaft aller Widrigkeiten zum Trotz am Leben gehalten.
In der Saison 1989/90 landete der FC Azzurri auf dem 15. und damit letzten Platz in der C-Klasse Mitte. Schlechter ging es nicht mehr! Doch so enttäuschend die Ergebnisse für die Italiener auch waren, sie hatten inzwischen ein immenses Potential an Nachwuchsspielern - wenn auch nicht im eigenen Verein: es war zum Großteil der eigene Nachwuchs, der erfolgreich bei deutschen Vereinen die Jugend durchlaufen hatte und die Verbindung zum „Familienverein Azzurri“ nie aufgab.

Mit jungen Talenten den ersten Aufstieg im Visier: der FC Azzurri 1990/91 spielte sich vom Kellerkind der C-Klasse zum ersten Aufstieg in der Vereinsgeschichte. Auch der heutige Spielertrainer Marco Princiotto (unten, 3. v. l.) war gemeinsam mit seinem Bruder Franco (unten links) schon mit von der Partie. Orlando Scigliuzzo (oben 2. v. l.) und "Papa" Mario Selce (oben 2. v. r.) fungierten als Betreuer. Foto: Archiv
Orlando Scigliuzzo, der Onkel des späteren Bezirksliga-Spielers und heute wieder bei Azzurri spielenden Maurizio Scigliuzzo, war einer der Initiatoren Anfang der 1990er-Jahre, der versuchte, die talentierten Nachwuchsspieler, die nun das Erwachsenenalter nach und nach erreichten, für den FC Azzurri zu begeistern. So kickten in der Saison 1990/91 u.a. auch die Brüder Franco und Marco Princiotto für Azzurri, andere Talente wie die Selce-Brüder folgten im Laufe der Saison und so wurde aus der erfolglosen italienischen Mannschaft urplötzlich ein Aufstiegsanwärter. Mit 43:9-Punkten belegte man am Ende des Jahres den 2. Rang hinter dem SV Frankonia und durfte den 1. Aufstieg der Vereinsgeschichte feiern. Der Traum wurde Wirklichkeit!
Wie es mit der 2. Generation in den 90er-Jahren bis zum vorläufigen Rückzug des FC Azzurri weiterging, lesen Sie morgen auf fussballn.de!




