Ein Fußball-Fest der Nationen
Geschrieben von: Marco Galuska
Halle wird präsentiert von PS:Akademie Nürnberg
Premiere des ISN-Cup ein voller Erfolg
Zwischen Utopie und Wahnsinn lagen die Einschätzungen, als das Organsiationsteam um Deniz Yavuz Ende März Anlauf nahm, um eine inoffizielle Hallen-WM mit Amateur-Fußballern aus der Region zu starten. Nach den beiden Turniertagen an Pfingsten darf konstatiert werden, dass in Rekordzeit ein Hallenfußball-Event geschaffen wurde, das in vielen Bereichen neue Maßstäbe gesetzt hat. Nach der gelungenen Feuertaufe dürfen nicht nur die siegreichen Türken feiern und sich schon jetzt auf eine Neuauflage freuen.
"Gigantisch", war das überwiegende Urteil der Verantwortlichen, Aktiven und Zuschauern, die an zwei Turniertagen feinsten Hallenfußball in exklusiven Ambiente geboten bekamen. "Wir sind mit dem Ablauf sehr zufrieden und planen jetzt schon für die Neuauflage im kommenden Jahr", berichtet Organisator Deniz Yavuz und gibt sich dabei professionell ehrgeizig: "Wir werden uns mit allen Köpfen des Turniers zusammensetzen und auswerten, woran wir arbeiten können. Unser Ziel ist es, das Turnier weiter zu verbessern, aber für den Anfang konnte sich das schon sehen lassen", urteilt Yavuz bescheiden.

Der deutsche Kapitän Michael Jonczy (r.) konnte sich zum Abschluss der Vorrunde ein 1:1-Remis im "Klassiker" gegen Italien leisten, der Gruppensieg war da bereits sicher.
Foto: fussballn.de
Ein Hauch von Italia 90 lag in der Luft, als am Pfingstsonntag Angelo Palazzotto live "Un estate Italiana" schmetterte. Jener Song, der einst das DFB-Team zum Weltmeistertitel in Italien begleitete, eröffnete den ersten Indoor Soccer Nations Cup in der Soccer Plaza in Schwabach. In der Auftaktpartie erlebte das deutsche Team dann die viel zitierten Fußball-Weisheiten, dass einerseits Eröffnungsspiele ihren eigenen Charakter haben und es andererseits keine "Fußball-Zwerge" mehr gibt. Ein wackeliger 1:0-Sieg über ein sich prächtig präsentierendes Team aus Vietnam brachte dem Team um Trainer Stephan Beck aber doch die erhofften Zähler in Richtung Viertelfinale. Von Beginn an voll auf der Höhe zeigte sich in dieser Gruppe A die polnische Mannschaft, die von Joachim Kokott taktisch perfekt eingestellt wurde, mit Jackson Ruziski den Torschützen des Turniers in seinen Reihen hatte und sich den Einzug ins Viertelfinale verdiente. Deutschland, um den treffsicheren Florian Grau, hatte sein Etappenziel nach drei Siegen bereits erreicht und konnte beim abschließenden Vergleich mit Italien ein 1:1-Remis verkraften. Für die Italiener war es das dritte Remis in der Gruppe - zu wenig, da man gegen Polen mit 1:2 unterlegen war. Schnell aus dem Rennen war das kroatische Team, das gegen Deutschland mit 1:8 unterging.

Albanien (in rot) überzeugte in der Vorrunde mit technisch feinem und trickreichem Hallenfußball. Dagegen musste das rumänische Team die Segel streichen.
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Glänzenden Hallenfußball bot Albanien in der Gruppe B und gewann alle vier Partien letztlich souverän. Platz zwei holte sich das mazedonische Team mit einem starken Kapitän Oliver Gorgiev, der auch personelle Engpässe vergessen machte und der Konkurrenz das Nachsehen gab. Hier hatten sich die Rumänen sicher mehr ausgerechnet, indes der Start ging gegen den Iran (1:2) und Mazedonien (0:1) in die Hose. Die Iraner sorgten mit ihrem tollen Anhang auf der Tribüne nicht nur für gute Stimmung, sondern schnupperten mit beherztem Auftreten auch am Weiterkommen. Dagegen mussten sich die Portugiesen mit einem Punkt begnügen.
Der Nachmittag bescherte in der Gruppe C eine bis zuletzt spannende Ausscheidung um die Viertelfinalplätze. Bosnien konnte seiner Favoritenrolle gerecht werden und vom unermüdlichen Team-Kapitän Semso Rekic angetrieben vorzeitig für den Finaltag planen. Griechenland, Spanien, Ghana und die USA lieferten sich ein - zum Teil hitziges - Rennen um den zweiten Platz. Wähnten sich die Griechen nach dem 2:1-Sieg über Ghana schon in der Runde der letzten Acht, so konnten die Spanier ihre letzte Partie gegen Bosnien mit 2:1 gewinnen und damit etwas überraschend den Einzug ins Viertelfinale feiern.

Spanien (links Team-Manager und Kapitän Alberto Mendez) konnte sich nach dem 1:3 gegen Ghana steigern und hinter Bosnien ins Viertelfinale einziehen.
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Eine klare Angelegenheit wurde die Gruppe D für die Türkei, die sich nach dem 3:0 gegen Tschechien mit 10:0 gegen Algerien warm schoss. Schon schwieriger waren dagegen die Aufgaben gegen Serbien und Russland, die die Truppe von Emin Karademir aber doch jeweils mit 2:1 für sich entscheiden konnte. Die Serben und die Russen lieferten sich ein Duell um den zweiten Rang, das aufgrund der besseren Tordifferenz (der direkte Vergleich endete torlos) zu Gunsten des russischen Teams um Kapitän Eugen Probst ausging. Das tschechische Team konnte sich gegen die überforderten Algerier, die aber fairer Verlierer waren, klar durchsetzen und sich letztlich achtbar aus der Affäre ziehen.
Der Finaltag an Pfingstmontag startete mit der Viertelfinalbegegnung zwischen Deutschland und Mazedonien. Die Mazedonier konnten sich für die KO-Runde mit Club-Idol Sasa Ciric verstärken. Der 43-Jährige konnte zwar die 2:5-Niederlage gegen ein stark auftretendes deutsches Team nicht verhindern, traf aber immerhin zweimal und sollte auch beim Spiel um Platz 5 gegen Russland (3:1) alle Tore der Mazedonier markieren.

Mit 43 Jahren immer noch ein Torjäger: Sasa Ciric markierte alle fünf mazedonische Treffer am Finaltag.
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Hatten die Deutschen im ersten Viertelfinale schnell alles klar gemacht, so waren die folgenden Partien in der Runde der letzten Acht weitaus umkämpfter. Ermin Kajgana hieß der Torschütze des Goldenen Tores, das Bosnien einen 1:0-Sieg gegen Russland bescherte. Eines der wohl besten Spiele des Turniers lieferten sich im Anschluss Albanien und Polen. Mit 4:3 machten die Albaner das Rennen gegen Ruziski & Co. Der später zum Spieler des Turniers gewählte Necati Güler brachte die Türkei mit einem Doppelpack gegen defensiv diszipliniert stehende Spanier zu einem 3:1-Sieg.

Hochklassig: Albanien und Polen boten im Viertelfinale Hallenfußball vom Feinsten. Jackson Ruziski (r.) traf für die Polen doppelt, dennoch hatten die Albaner knapp die Nase vorn.
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Eine Demonstration der deutschen Stärke sollte das erste Halbfinale werden. Mit geradlinigen Hallenfußball entzauberten die Deutschen das bosnische Teram und siegten mit sage und schreibe 7:0. Im zweiten Semifinale machte Türkeis Engin Kalender den Unterschied aus und so mussten sich die Albaner nach der 2:4-Niederlage und einem 5:3-Sieg gegen Bosnien mit der Bronzemedaille begnügen. Die Spannung stieg, als das "Traumfinale" zwischen Deutschland und der Türkei näher rückte. Mussten die Deutschen aufgrund ihrer Auftritte am Finaltag als Favorit gelten, so sorgten die Türken mit "viel Herzblut", wie Coach Karademir im Anschluss sagte, zumindest für eine kleine Überraschung. Verdient war der 3:1-Erfolg im Endspiel allemal. Nachdem torlos die Seiten gewechselt wurden, war die Türkei am Drücker und durfte am Ende frenetisch jubeln. Das siegreiche Team darf für eine Woche nach Barcelona fliegen und bei der Champions League zuschauen, wie es noch ein wenig besser geht - doch mehr als respektabel war der Auftritt des Siegerteams und der anderen Amateurkicker beim ISNC 2011 zweifelsohne. Und die weit über 1000 Zuschauer an den beiden Turniertagen dürften sich schon jetzt auf eine Neuauflage im kommenden Jahr freuen.





