Irrer Krimi: Röttenbach weiter in der Bezirksliga
Geschrieben von: Michael Watzinger
TSV Röttenbach – TSV Neunkirchen 9:8 n.E. (4:4, 3:3, 0:3) n.E.
In einer an Dramatik nur schwer zu überbietenden Begegnung hat sich der TSV Röttenbach auch für die neue Saison einen Platz in der Bezirksliga Nord gesichert. Der TSV Neunkirchen verspielte eine 0:3-Pausenführung und konnte auch den 4:3-Vorsprung in der Verlängerung nicht über die Zeit retten, muss nun in die Relegation. Zur tragischen Figur im Elfmeterschießen wurde dann ausgerechnet Spielertrainer Norman Matschke, der mit seinem Versuch am Pfosten scheiterte und so die Niederlage besiegelte. Somit steht für Neunkirchen am Samstag die Relegation gegen Großschwarzenlohe (16 Uhr beim ASV Zirndorf) an.
Beide Mannschaften waren in der Anfangsphase zwar bemüht, jedoch ohne die nötige Durchschlagskraft. In einer insgesamt an Torchancen armen ersten Hälfte war es der TSV Röttenbach, der zunächst den etwas gefährlicheren Eindruck machte. Schussversuche von Oliver Schmitt (7.), Marco Josef (9.) sowie Robert Kovacic (9., 15.) gerieten jedoch zu harmlos oder wurden von Neunkirchener Abwehrspielern geblockt. Die erste richtig gute Möglichkeit des Spiels hatte dann der TSV Neunkirchen in der 19. Minute: Michael Köhler spielte dem durchgestarteten Andre Percht herrlich in den Lauf, der anschließend Röttenbachs Keeper Christian Schauer umkurvte. Etwas weit nach außen abgekommen schob er den Ball dann allerdings rechts am Tor vorbei. Fünf Zeigerumdrehungen später zeigte Percht, dass er es eigentlich besser kann. Nach schöner Vorarbeit von Mittelfeldmann Markus Angermüller tauchte er erneut frei vor dem Tor auf und ließ Schauer diesmal keine Abwehrmöglichkeit. Der Schock des Gegentreffers war Röttenbach deutlich anzumerken.
Der TSV Neunkirchen nutzte in der ersten Hälfte seine Chancen
konsequent und führte bereits mit 3:0. Diese Führung hielt am Ende ebenso
wenig wie das 4:3 in der Verlängerung. Am Ende siegte dann der TSV
Röttenbach im Elfmeterschießen.
Foto: fussballn.de
In der 29. Minute folgte ein Aussetzer von Abwehrmann Christian Gauglitz, der einen hohen Ball mit der Brust annehmen wollte, wobei ihm das Spielgerät zu weit nach vorne in den Lauf von Percht wegsprang. Diese Einladung ließ sich der nun freie Offensivakteur nicht entgehen und erhöhte auf 2:0. Röttenbach versuchte umgehend zu antworten, blieb aber bis auf wenige Ausnahmen insgesamt zu harmlos. Einzig ein Freistoß aus der Distanz von Josef, der die Latte leicht touchierte, sorgte für Raunen im Publikum. Auf der Gegenseite köpfte Angermüller nach schöner Flanke von Spielertrainer Norman Matschke knapp über das Tor. Dass der emsige Mittelfeldspieler am Ende doch über ein Tor jubeln durfte, hatte er einer kuriosen Szene zu verdanken: Nach einer hohen Hereingabe wollte Röttenbachs Ender Yanik den Ball aus der Gefahrenzone köpfen, traf jedoch nur den ebenfalls hochgestiegenen Angermüller am Hinterkopf, von wo aus der Ball in hohem Bogen ins Röttenbacher Tor flog – 3:0 (35.)! Kurz vor der Pause verletzte sich der Unglücksrabe beim 2:0, Christian Gauglitz, bei einem Zweikampf schwer, musste minutenlang auf dem Feld behandelt und anschließend von einem Notarzt abgeholt werden.
Die kuriose Szene zum 3:0: Röttenbachs Ender Yanik (3.v.r) köpfte den ebenfalls hochgestiegenen Angermüller an - und der Ball ging ins Netz.
Foto: fussballn.de
In der zweiten Halbzeit sollte es dann kurios weitergehen. Neunkirchen schaltete im Gefühl der sicheren Führung gleich mehrere Gänge zurück und versuchte den Vorsprung zu verwalten. Dass so etwas allerdings nach hinten losgehen kann, hatte die Mannschaft bereits zuletzt gegen den Post SV schmerzlich erfahren müssen. Nach nur vier Minuten drang der extrem lauffreudige Röttenbacher Roland Bauer von rechts in den Strafraum ein und legte den Ball in Richtung Elfmeterpunkt ab. Neunkirchens Matschke grätschte in den Ball, um zu klären, doch sein Abwehrversuch ging aufs eigene Tor und letztlich am verdutzten Schlussmann Alexander Disselberger vorbei zum 3:1 ins Netz. Nun war Röttenbach obenauf. Einen 25-Meter-Freistoß von Josef konnte Disselberger mit den Fäusten entschärfen (57.). Auch gegen den starken Bauer, der seinen Gegner auf der linken Strafraumseite narrte und anschließend nach innen zog, hatte der Torhüter das bessere Ende für sich (64.). Kurioserweise wurde Neunkirchens Zerberus beim 3:2 erneut von einem Mitspieler bezwungen: nach einem hohen Ball wollte Abwerspieler Martin Kolb per Kopf klären, lenkte den Ball aber ebenfalls für Disselberger unhaltbar ins eigene Netz (68.). Röttenbach machte nun immer weiter auf und Neunkirchen hatte Räume zum Kontern. Allerdings vergaben Thomas Schmitt und vor allem der eingewechselte Manuel Menges, der alleine vor Schauer auftauchte, jedoch die Möglichkeit fahrlässig liegen ließ, die Chance zur Entscheidung (72., 80.). So kam es, dass der ansonsten blasse Torjäger Marco Müller – er kam in der Halbzeit für Gauglitz – einmal mehr seine Kaltschnäuzigkeit unter Beweis stellte und aus spitzem Winkel per Kopf in die lange Ecke zum vielumjubelten 3:3-Ausgleich traf (81.). Da auch Frank Baders Schussversuch im letzten Moment von Dennis Zyder geblockt wurde, ging es in die Verlängerung.
Robert Kovacic und sein TSV Röttenbach liefen quasi das ganze Spiel
einem Rückstand hinterher. Dennoch durften sie sich am Ende über den
Klassenerhalt freuen.
Foto: fussballn.de
In dieser kam es bereits nach 120 Sekunden zur ersten kritischen Szene: Neunkirchens Menges drang in den Strafraum ein und kam zu Fall, doch alles Protestieren half nichts, die Pfeife des Unparteiischen Zimmermann blieb stumm. Keine 60 Sekunden später hatten Menges und Co. dann aber ohnehin noch einmal Grund zum Jubeln. Nach einem katastrophalen Fehlpass per Freistoß, direkt in die Füße von Angermüller, schickte dieser Menges auf die Reise. Der Angreifer scheiterte zwar zunächst am rechten Pfosten, doch der offensiv überragende Andre Percht war wieder einmal zur Stelle und staubte per Kopf zur erneuten Führung ab - 4:3! Röttenbach versuchte alles und hatte in der Folge gehörig Pech: Zunächst segelte Neunkirchens Schlussmann Disselberger an einem weiten Freistoß von der Mittellinie vorbei, der Ball jedoch auch knapp an seinem Gehäuse. Dann lenkte der Keeper einen Schuss von Marco Müller aus kurzer Distanz in toller Manier noch an die Querlatte (95., 99.). In der 108. Minute verlängerte Marco Josef einen hohen Ball per Kopf und dieser senkte sich ins Tor zum 4:4-Ausgleich – das verrückte Spiel musste also im Elfmeterschießen entschieden werden. Dort hatte der TSV Röttenbach das bessere Ende für sich. Einziger Fehlschütze und damit tragische Figur in der „Elfmeter-Lotterie“ war Neunkirchens Spielertrainer Norman Matschke, der seinen Versuch an den linken Torpfosten setzte. Damit bleibt der TSV Röttenbach der Bezirksliga erhalten, während für den TSV Neunkirchen am Samstag beim ASV Zirndorf die Relegation ansteht.
Der TSV Röttenbach durfte sich am Ende über den Klassenerhalt freuen, spielt somit weiter in der Bezirksliga.
Foto: fussballn.de
Röttenbach: Schauer, Gauglitz (46. Müller), Koch (73. Baumüller, 84. Warter), Oßmann, Zyder, Yanik, O. Schmitt, Göhr, Kovacic, Bauer, Josef.
Neunkirchen: Disselberger, Kolb, Matschke, Pritzke, Bock (71. Menges), Angermüller, T. Schmitt, Percht (106. Basener), Conrad, Sahin (87. Bader), Köhler.
Tore: 0:1, 0:2 Percht (24., 29.), 0:3 Angermüller (35.), 1:3 Matschke (49., Eigentor), 2:3 Kolb (68., Eigentor), 3:3 Müller (81.), 3:4 Percht (94.), 4:4 Josef (108.) / Im Elfmeterschießen: 4:5 Conrad, 5:5 Kovacic, 5:6 Angermüller, 6:6 Oßmann, 6:7 T. Schmitt, 7:7 O. Schmitt, 7:8 Basener, 8:8 Müller, Matschke schießt an den Pfosten, 9:8 Yanik.
SR: Zimmermann (SK Heuchling) / Zuschauer: 700 in Eltersdorf.



